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Frauentag reloaded



Na, habt ihr den Internationalen Frauentag am letzten Freitag auch gefeiert? Mit Blumen und Glückwünschen und vielleicht sogar einem Geschenk von den Liebsten?

Ich nicht. Ich habe zumindest die Hälfte des Freitags damit verbracht, um die Rede von Rita Süssmuth zu rekapitulieren, die ich am Vorabend gehört hatte, als sie zu Gast im hiesigen Kreishaus zur Frauenhaus-Feier war. Frau Süssmuth, ehemalige CDU-Politikerin, ehemalige Ministerin für Jugend, Familie, Frauen und Gesundheit ehemalige Bundestagspräsidentin. Aber auch Begründerin der Initiative „Die letzte Entscheidung muss bei der Frau liegen“ zur Reform des Abtreibungsparagraphen Anfang der 90er und Vertreterin der Frauenquote im Bundestag. Frau Süssmuth ist inzwischen 82 Jahre alt. Sie tritt noch immer für die Gleichberechtigung der Frauen ein und hinterlässt dabei eine Eindruck, den ihr andere 82-jährige erstmal nachmachen sollen.


Sie hatte vor allem eine Botschaft im Gepäck: Wir Frauen können viel erreichen. Wir Frauen sollten uns engagieren, für uns selbst und für alle Frauen, denen es weit schlecher geht als wir selbst. Und wir Frauen können weit mehr als wir manchmal denken. Und wir können noch mehr erreichen, wenn wir es gemeinsam tun. Mich hat die Rede dieser kleinen, zarten Frau sehr beeindruckt und den anderen Frauen, die zu Gast waren, ebenfalls.

Weniger beeindruckt war ich von der Frauentags-Initiative des Supermarktes, in dem ich am Freitagabend einkaufen war. Da gab es nämlich für jede Kundin eine halb verwelkte Rose. Die vermutlich irgendwo in Afrika von Frauen angebaut wurden, die von Männern ausgebeutet wurden. Ein Fair-trade-Siegel habe ich auf jeden Fall nicht entdeckt. Das wäre für die Werbeaktion wohl auch zu teuer gewesen. Immerhin war ich zu spät für die Rose - als ich es endlich in den Supermarkt geschafft habe, waren die Dinger Gottseidank alle vergriffen.

Später las ich dann auf Instagram folgenden Post von @kattascha:

„Der Tag, an dem wir von der Wirtschaft Gleichberechtigung fordern und statt dessen Rabatt-Codes für Make Up und Schuhe bekommen“

Trefferendes habe ich selten gelesen. Am Frauentag prasselten die Rabattcodes nur so auf mich nieder. Auf Instagram, per Mail, auf Twitter: Überall Rabattcodes. Vor allem von Fast-Fashion-Ketten. Wie passend: Zum Frauentag gibt es die Kleidung, die in irgendwelchen Nähereien in Bangladesh von unterbezahlten Frauen hergestellt wurde, für die mitteleuropäische, verwöhnte Gattin 20 Prozent billiger. Yeah! Wenn das nicht die Perversität auf die Spitze treibt!

Nein, ich möchte keine Blumen zum Frauentag. Ich würde mich viel mehr darüber freuen, wenn in unseren Parlamenten endlich mehr Frauen säßen. Wenn Frauen nicht mehr 20 Prozent weniger für den gleichen Job verdienen würden. Wenn die Gleichberechtigung, die seit 1949 im Grundgesetz verankert ist, endlich Frauen zu Gleichem berechtigt.

So, das war die etwas verspätete Rede zum Frauentag. Und damit es nicht arg zu langweilig wird, gibt es sogar noch ein Outfit. Das politisch allerdings auch reichlich unkorrekt ist. Der Rock stammt nämlich genau von einer der Fast-Fashion-Ketten, in denen unterbezahlte Frauen ausgebeutet werden. Ihn jetzt wegzuwerfen wäre ziemlich sinnlos. Daher wird er weiter getragen. Aber ich mache Fortschritte: Ich habe seit mehr als einem halben Jahr keine Schritt mehr in einen Zara gesetzt. Immerhin ein Schritt in die richtige Richtung, denke ich. Fragt mich a nächsten Frauentag noch einmal. Vielleicht bin ich dann ja schon drei Schritte weiter.



Viele Grüße
Fran


Kommentare

  1. Schöne Predigt. Langsam wird es abartig, was mit derartigen "Tagen" für Kommerz betrieben wird. Egal ob Muttertag, Valentinstag oder Frauentag. In der Form brauche ich das nicht.

    Liebe Grüße Sabine

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  2. Yes ... genau so. Ich mag Deinen Post und kann ihn 100 % unterschreiben :))
    Mein Mann würde mir niemals an dem tag Blumen schenken ... weil er einfach schlau genug ist , es nicht zu tun ;)
    Übrigens war ich noch NIE in einem Zara ... einfach deshalb weil wir hier gar keinen haben ...*gg
    Deine Kombi mag ich genau so . Das könnte ich Morgen anziehen. Hach wieder ein Problem gelöst .... hänge ich gleich schon mal an den Schrank :))))
    LG Heidi

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  3. Bin total bei Sabine!

    Überhaupt geht gefühlt gerade alles nur Geld und um Gewinnmaximierung ... noch schneller, noch höher, noch weiter - die dicken Managergehälter müssen natürlich auch rauf, damit man seinen Kindern den teuren Lebensweg auf Elite-Schulen und -Unis finanzieren, sich selbst seinen noblen Lebensstil ermöglichen und ein paar Millionen zum Vererben anhäufen kann. Wieso sitzen auf der anderen Seite nur immer diese bösen bösen Personalkosten ... - also raus mit den Leuten!

    Ups, ich schweife ab. Die Ungleichbehandlung von Frauen ist natürlich schon ein gruseliges Thema für sich.

    Dein Outfit finde ich toll!

    Lieben Gruß
    Gunda

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  4. Etwas zum Thema Gleichberechtigung gibt es bald auf meinem Blog. Und nein, mir hat keiner gratuliert. Wozu aiuch, wir sind noch nicht angekommen. Und wir dürfen nie aufhören, dafür zu kämpfen, denn längst ist nicht alles so, wie ich das gerne hätte auch wenn sich schon einiges getan hat.
    Die Rede von Rita Süßmuth hätte ich gerne gehört.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  5. Ich möchte keine Blumen bekommen, aber ich möchte, dass der Tag weiter besteht, weil es so viel von der Geschichte schon in Vergessenheit geraten ist.
    Zumindest an diesem Tag lesen wir Artikel wie deine! Die Gleichstellung ist weder in Deutschland noch im Rest der Welt eine Realität. Solange Menschenrechtsverletzungen wie Genitalverstümmelungen, Zwangsheirat und Ehrenmorde, können wir nicht über Gleichstellung sprechen! Es muss noch viel mehr Demonstrationen gebe!
    Allerdings fiel mir bei der Lektüre die Worte von William Golding und Erick S. Gray ein:
    "Frauen wären dumm, so zu tun, als ob sie wie Männern sind. Sie sind weit überlegen und so ist es immer gewesen." und "Was auch immer du eine Frau gibst, das wird sie größer machen. Aus Sperma macht sie ein Baby. Aus einem Haus macht sie ein Heim. Aus Lebensmitteln zaubert sie eine Mahlzeit. Gib ihr ein Lächeln und sie schenkt dir ihr Herz. Sie vermehrt und vergrößert, was ihr gegeben wird. Also, wenn du ihr irgendwelchen Mist gibst oder erzählst, sei bereit, eine Tonne Scheiße zurückzukriegen".
    Liebe Grüße und noch einen schönen Tag!
    Claudia
    Claudia

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  6. Ich trau mich jetzt kaum zu sagen dass ich mir eine Tasche gegönnt habe. Zur Feier des Tages, des Rabatts und weil ich geringfügig mehr verdiene als Göga.
    Die Rede habe ich verpasst, leider. Dein Outfit mag ich, ja der Rock ist skandalös von Hasi und Mausi ;)
    Liebe Grüße Tina

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  7. Zum Feiern haben wir Anlass und doch auch nicht. Wenigstens gibt es einmal im Jahr diesen Tag weltweit, an dem frau auf die Ungerechtigkeiten hinweist und auch selbst darauf hingewiesen wird. Denn noch immer sind sich viele Frauen selbst bei uns dessen nicht wirklich bewusst und lassen sich vom Rabatt-Gutschein einlullen (nein Tina, Du bist nicht gemeint! ;-) ), statt bei Wahlen oder sonstigen Gelegenheiten dagegen anzugehen.
    Am 18. März ist Equal-Pay-Day. Das wäre die nächste. Hier könnte frau auch eine rote Tasche tragen, um zu zeigen, dass der Inhalt ihres Geldbeutels noch leer ist und rote Zahlen zeigt. Erst ab dem 19. März nämlich werden Frauen bezahlt für ihre Jahres-Arbeit. Die Männer bereits ab 1. Januar... So groß ist der Unterschied.
    LG Sieglinde

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  8. Ich hatte den Rock auch hier. Und ich habe ihn gemocht. Leider hatte ich Schwierigkeiten ihn mit meinem Schrankinhalt und meiner Figur passend zu kombineiren. Deshalb ging er zurück. Aber ich bewundere ihn immer an Dir.
    Ich habe das Glück einen Arbeitgeber zu haben der vor lauter Angst, etwas falsch zu machen, alles gendert, was ihm unter die Finger kommt. Aber das ist gut so.
    Es kann jeder sehen, wer was verdient und zwischen Männern und Frauen gibt es wirklich keinen Unterschied. Wehe dem oder der der Vorgesetzten, die gegen das AGG verstößt. Und gut Verhandeln nützt auch nichts. Ich kenne es seit 30 Jahren nicht anders. Bin also immer wieder schockiert, ob der Zahlen, die ich hier oder anderenorts lese.
    BG Sunny

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  9. Toll gedacht und geschrieben Fran, ein guter Post. Der Tag ist gut, nur läuft er falsch. Bis zum nächsten Jahr selbst einige Schritte vorwärts zu tun ist eine gute Idee, werde es auch versuchen.

    Liebe Grüße!

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  10. Ein sehr lesenswerter Post zu dem Thema liebe Fran. Tja, der Frauentag - brauche ich Blumen oder sonstigen Schnick-Schnack? Eigentlich wäre mir viel mehr damit gedient, wenn wir Frauen endlich mal kapieren würden, dass wir alle im gleichen Boot sitzen und daher besser an einem Strang ziehen als uns ständig gegenseitig anzuzicken. Dann wird das irgendwann vielleicht auch endlich was mit der Gleichstellung in der Realität und nicht nur auf dem Papier. Liebe Grüße Ursula

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  11. Jaja, genau, die Rosen im Supermarkt. Und am Besten noch zusammen mit "Herzlichen Glückwunsch zum Weltfrauentag!" Das ist gnadenlos bescheuert. Mit Deinem Post rennst Du bei mir offene Türen ein. Ich lebe konsequent gleichberechtigt. ich habe mich bewusst für eine eigene Wohnung und gegen Zusammenleben, sogar gegen Kinder, entschieden - und der Hauptgrund ist tatsächlich: kompromisslose Unabhängigkeit. Ich hätte das anders nicht gepackt. Gleichberechtigung ist eine Theorie, auch in Deutschland. Welcher Mann geht denn in Elternzeit bei uns? Nein, die verdienen ja auch mehr. Bei meinen jungen Kolleginnen und Kollegen krieg ich leider viel mit, was mich heimlich in den Kübel speien lässt. Die Kolleginnen heiraten und kriegen Kinder, kommen nicht mehr in den Beruf zurück und sagen Dinge wie: "ich wusste schon immer, dass ich seinen Namen annehmen würde"... he, und das sind SOZIALPÄDAGOGINNEN. Noch Fragen???
    Liebe Grüße, Maren

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