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Von furchtbaren Montagen und frühlingshaften Winterkleidern


Irgendwo habe ich kürzlich behauptet, dass ich Montage eigentlich gern mag. Ich nehme das jetzt mal offiziell zurück. Ich hasse Montage. Zumindest der gestrige Montag war das Paradebeispiel eines Montags des Grauens.

Eigentlich fing er ganz gut an. Ich habe es tatsächlich geschafft, relativ mühelos aufzustehen und habe nichtmal wirklich viel Zeit vertrödelt. Das kann ich frühmorgens nämlich am allerbesten. Der Morgenspaziergang war sonnenbeschienen und ich dachte beschwingt an das wunderschöne Wochenende in Kühlungsborn zurück. Die Elbe musste zwar die Ostsee ersetzen, aber das war fast egal.

Auf dem Weg zum ersten Termin des Tages wurde es dann das erste Mal dunkel. Also so richtig wortwörtlich. Hatte gerade noch die Sonne geschienen, zogen plötzlich dicke Wolken auf, es begann zu stürmen und zu gießen wie aus Eimern. Irgendwelche Dumpfbeutel hatten entlang der Landstraße, an der ich unterwegs war, den Baumschnitt liegen lassen. Der wehte mir Karacho auf die Straße und ich hatte alle Hände voll zu tun, Slalom zu fahren und herumfliegenden Ästen auszuweichen. Danke auch.

Nach dem Termin dann die Nachricht, die mich tief betroffen zurückließ. Ein junges Mädchen aus der Stadt, in der ich arbeite, leidet seit 2014 an Leukämie. Zwei Stammzellentransplantationen hat sie hinter sich, viele Chemotherapien und unendliches Leid. Eigentlich dachten alle, sie sei auf dem Weg der Besserung. Jetzt hat die Leukämie wieder zugeschlagen. Und die junge Dame hat diesmal selbst beschlossen, dass sie keine Therapie mehr will. Sie möchte die Zeit, die ihr bleibt, einfach nur noch mit ihrer Familie verbringen. Meine Kollegen haben die Krankheit, die Hoffnung und nicht zuletzt Spendenaufrufe begleitet - und wir hatten alle gedacht, dass das Leben dieses Kindes irgendwann wieder normal wird. Ich weiß gerade nicht, ob ich ihre Tapferkeit bewundern soll oder wütend werden, weil irgendein bescheuertes Schicksal so etwas anrichtet. Mir tun die Eltern unendlich leid. Mir tut das Mädchen unendlich leid. Da bleibt man einfach wortlos zurück.

Keine halbe Stunde später dann die nächste schlechte Nachricht. Meine Schwiegermutter ist in ihrer Wohnung gestürzt, hat es nicht mehr zum Notrufknopf geschafft (warum haben wir nie darauf bestanden, dass sie ein Notrufarmband trägt?) und hat zwei oder drei Tage auf dem Boden liegend verbracht, bis sie gefunden wurde. Wie lange genau, weiß niemand. Sie selbst auch nicht. Jetzt ist sie im Krankenhaus. Ja, es ist „nur“ die Schwiegermutter, und selbst das „Schwieger“ - egal. Darum geht es nicht. Ich habe sie schon, seit ich sie vor 25 Jahren kennengelernt habe, unendlich gern gemocht und das tu ich auch heute noch. Wie es jetzt weitergeht, ist völlig unklar. Wenn sie nicht wieder mobil wird - und das wir bei einem gebrochenen Becken schwierig - bleibt nur das Pflegeheim. Im Prinzip ist es nur eine Frage der Zeit, wann meinen Vater ein ähnliches Schicksal ereilt. Ich bin Hunderte von Kilometern weit entfernt und kann nicht wirklich helfen. Alte Bäume verpflanzt man nicht - aber wenn es nicht anders geht? Oder muss ich mich verpflanzen? Immerhin bin ich ja erst mittelalt *schief grins*. Da geht vielleicht noch was.

Den Montag hat es mir auf jeden Fall gründlich verhagelt. Ab sofort sollte ich Montage vermutlich doof finden. Oder mich montags irgendwo verbuddeln, wo mich keine Nachrichten erreichen.

Da passt dann sogar das Outfit: Ein schwarzes Strickkleid. Ein richtig winterliches, schwarzes Stickkleid, das ich eigentlich am liebsten ab Anfang März in die hinterste Ecke verbannen würde, weil es ganz laut „Winter“ schreit und ich längst „Frühling“ denke. Und weil selbst bei Wind, Sturm und miesen Nachrichten ja irgendwo ein Funken Sonne durch die Wolken scheint, habe ich das Winterkleid einfach frühlingstauglich gemacht. Denn ein Sommerkleid herbsttauglich stylen - das können wir alle längst: Stiefel, Strickjacke oder Pullover dazu und fertig. Analog dazu gibt es zum Winterkleid eben einfach eine Jeansjacke und ein Paar Turnschuhe. Dazu eine gehörige Portion Sonnenschein, ein bisschen Außenalster und ein Spaziergang durch Hamburg. Den habe ich am vorletzten Wochenende unternommen, an dem alles noch in Ordnung war und Norddeutschland nach Frühling duftete.








Aber wisst ihr was? Der Frühling kommt. Auch wenn es jetzt gerade stürmt, als wenn es kein Morgen gäbe - in spätestens vier Wochen ist er da. Sogar montags. Wobei so ein Montag bei mir künftig wirklich einen schweren Stand haben wird.

Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Ja manchmal sitzt da oben einer der passt so gar nicht auf uns auf. Das mit dem kranken Mädchen ist grausam. Es erinnert mich an meine schlimmste Beerdigung. Wenn Kinder sterben ist das unendlich traurig.
    Daumen drück für eine gute Lösung Deiner Schwiegermutter. Ich möchte noch gar nicht wissen wie das später mit uns geht.

    Dein Look geht Heute auf jeden Fall. Besonders die Jeansjacke dazu gefällt mir extrem gut . Schaut klasse aus. Würde ich genau so anziehen :))
    LG Heidi

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  2. Wenn es doof läuft, dann gerne mal richtig doof. Selbst eins von all den Sachen hätte gereicht, um mir den Tag zu verderben. Alles zusammen ist es ja schon albtraumhaft. Ich mache gerade eine „Elternrunde“ und sprach gestern mit meiner Schwägerin, die zum Glück nah dabei wohnt, darüber, dass wir ja nicht wissen, was noch kommt. Bei meinen Eltern wohnt keiner in der Nähe, weder meine Schwester noch ich. Wir werden sehen, planen kann man da wenig.....
    Aber wenigstens dein Outfit ist schön und es macht Lust auf Frühling während es draußen stürmt und regnet.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Das sind keine schönen Nachrichten. Den Montag wirst Du wohl so schnell nicht vergessen.

    Liebe Grüße Sabine

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  4. Liebe Fran,

    ich denke auch immer "Montagmorgen und die Woche nimmt kein Ende" und schon ist wieder Dienstag, Mittwoch, der Donnerstag geht komischerweise immer schnell vorbei und Freitag sowieso. Jedoch gleich zu Wochenanfang schlechte Nachrichten machen traurig. Meine Mama wird im Oktober 80 und ich bin froh, das wenigstens meine Schwester bei ihr mit im Haus wohnt. Ich bin 600 km entfernt und da geht nicht mal eben schnell was zu erledigen. Zum Glück ist sie noch fit.

    Liebe Grüße, Burgi und stimmt, in 4 Wochen ist sicher richtig Frühling.

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  5. Das klingt beides wirklich schlimm. Aber vor allem das, mit dem jungen Mädchen. Wieviel Reife muss man sich erlebt haben, dass man so einen Entschluss fast.
    Ich wünsche ihr von Herzen eine glückliche, verbleibende Lebenszeit.
    BG Sunny

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  6. :-) Liebe Fran,
    ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Das Mädchen ist noch viel zu jung, um zu sterben! Und ich weiß auch nicht, ob ich es mutig finde, dass sie keine Therapien mehr über sich ergehen lassen will. Andererseits hat sie bereits Therapie-Erfahrungen gemacht und die dürften ihre Wirkung hinterlassen haben. Insofern kann ich ihren Wunsch nachvollziehen und wünsche Ihr nur das Allerbeste. Auch den Eltern.
    Zu Deiner Schwiegermama - ich wünsche ihr gute Besserung und Euch in nächster Zeit gute Nerven und viele gute Ideen das Thema der Pflege und Unterbringung zu lösen. Ich mache mir auch immer irrsinnige Sorgen, dass ein Familienmitglied umkippt und keiner es mitbekommt. Schrecklich!
    LIebe Grüße
    Claudia :-)

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  7. Das war ja ein heftiger Montag! Ich hoffe es geht deiner Schwiegermutter bald besser. Manchmal versteht man einiges nicht, vor allem das Schicksal dieses Mädchens! Es tut mir so leid!
    Eine wirklich schönes Strickkleid, aber auch deine Jeansjacke dazu finde ich klasse!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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