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Das Schweinderl im April: Raus mit dem Gift!


Kaum ist der Frühling da, gibt es bei Bloggers so ziemlich genau drei Themen: Die neuen Styles und Must-Haves für die Saison, die Bikinifigur und wie man sie erreicht und der #healthy Lifestyle, der mit den ersten Sonnenstrahlen einzieht. Von ersterem habe ich wenig Ahnung - ich kann problemlos Kleidung kaufen und anziehen, aber profunde Modekenntnis geht mir ab. Von der Sache mit der Bikinifigur habe ich genausowenig Ahnung - ich trage seit mehr als 30 Jahren Badeanzüge. Aber die Sache mit dem #healthy Lifestyle, die kann ich. Also theroretisch. Rein praktisch gehe ich wohl eher als schlechtes Beispiel durch, befinden sich doch in meiner Handtasche eigentlich jederzeit üble Sünden wie zum Beispiel Haribo. Noch schlimmer: Ich esse das sogar. Inklusive Zucker.

Dabei ist so ein #healthy Lifestyle doch ganz einfach. Hunderte von Bloggern machen es uns vor. Das funktioniert ganz luftig-locker, ganz ohne Verbote, mit viel Lust und Genuss und: Detox. Denn vor den Hashtag #healthy hat der liebe Gott das Entgiften gesetzt. Wie viele Umweltgifte wir täglich zu uns nehmen! Mir wird ganz schwummerig, wenn ich daran denke. Jedes Stück Schokolade bringt uns dem Vergiftungstod ein kleines Stück näher! Und erst diese Schlacken, die sich überall im Inneren unseres Körpers abgesetzt haben, wenn wir mal wieder bei einem Stück Torte nicht „nein“ gesagt haben. Schrecklich. Schlacke ohne Ende. Dass derart vergiftet so ein #healthy Lifestyle null Chance hat, sich zu verfestigen, ist klar. Also detoxen wir, um das ganze Gift loszuwerden.

Dafür gibt es fancy Pülverchen, Süppchen und Säftchen. Die sind nicht gerade billig, aber wer wird schon den Pfennigfuchser rauskehren, wenn es um seine Gesundheit geht? Da ist man doch gern bereit, nicht nur einige Hundert Euro auszugeben, sondern anschließend auch mindestens fünf Tage von Pülverchen, Süppchen und Säftchen zu leben. Immerhin klärt das nicht nur den Körper, sondern auch den Geist! Man verliert all die Schlacken und die Gifte werden dank geheimer Zutaten innerhalb von wenigen Tagen abgebaut und die Rückstände verlassen den vergifteten Menschen ganz heimlich, still und leise, so dass ein fast neugeborener #healthy Körper zurückbleibt.

Und ich Depp habe mich da bisher auf meine Leber, meine Nieren und meinen Darm verlassen. Herrje, wie konnte ich jahrelang so blind sein! Die drei haben doch gemeinerweise zugelassen, dass ich mich über Jahre hinweg mit Alkohol, Zucker und vielen, vielen fiesen Dingen stückweise vergifte. Daran ist eigentlich nur die Schulmedizin Schuld. Das sind doch die, die immer behaupten, dass so eine 5-Tage-Detox-Kur Blödsinn ist. Insgeheim werden sie sich vermutlich königlich amüsieren, wenn sie mal wieder ein Opfer der bösen Umweltgifte vor sich haben, das nie ge-detoxt hat und deshalb von innen völlig verschlackt ist. Aber klar, sowas kriegt ja nur der zu sehen, der das arme Opfer obduziert. Und das ist ein Schulmediziner! Die stecken also alle unter einer Decke.

Wie gut, dass es die Blogger gibt, die mir beim Detoxen unter die Arme greifen! Da kriege ich die Pülverchen oder das Detox-E-Book sogar ein bisschen billiger, wenn ich den Code „Superblogger99“ eingebe. Das ist so, so, so nett von denen! Und wenn ich echt pleite bin, dann mach ich einfach ein digital Detox. Das kostet gar nix, hilft aber auch nicht gegen die bösen Schlacken… Also doch vielleicht ein bisschen sparen und derweil digital detoxen, um anschließend die Detox-von-innen-Wochenkur zu machen? Ich spare mir ja dann auch das Geld für diese vergiftete Haribo-Seuche und das sind bei meinem Konsum auch ein paar Hundert Euro im Jahr.

Das ist nämlich das Allerbeste am Detoxen: Wenn man das erstmal eine Woche durchgehalten hat (oder zwei oder drei, je nachdem wie lange der Wille oder der Geldbeutel hält), dann findet man alles, was nicht nach frisch ergrünten, ungespritzen Löwenzahnspitzen schmeckt, ganz furchtbar. Dann fasst man nie wieder ein Stück Schokolade an, weil man Zucker nämlich schrecklich findet. DAS ist ja mal wirklicher Mehrwert! Damit rückt dann auch die Bikinifigur in greifbare Nähe. Wenn Zucker und alles, was ungesund ist, nämlich nach so einer Detox-Kur bäh schmeckt, dann futtert man das nicht mehr und ohne Torte, Alkohol, Schokolade und sonstige Schweinereien nimmt man natürlich in Windeseile ab. Frisch ergrünte, ungespritze Löwenzahnspitzen machen definitiv nicht dick.

Ihr seht, eine unscheinbare 5-Tage-Detox-Kur ist im Grunde genommen das Ei des Kolumbus! Die Schulmediziner, die das ganze für ausgemachten Blödsinn halten, der nur demjenigen zugute kommt, der teure Pülverchen, Süppchen oder Säftchen herstellt, sind eh alle gekauft, und zwar von der Schokoladenindustrie. So isses. Ich geh jetzt detoxen. Hoffentlich hat der Hund nicht auf den Löwenzahn gepieselt…

Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. *grins
    Vor Jahren hab ich auch mal entgiftet (mit Metabolic-Balance) und natürlich großem Erfolg (auch klar, wenn der Ernährungsplan keine 1000 kcal. pro Tag enthält) und mit großen Versprechungen (sollte man je wieder zugenehmen, dann muss man einfach wieder streng nach dem Ernährungsplan leben - was sich allerdings dann schon etwas schwieriger gestaltet, wenn man beim bloßen Anblick von Sojajoghurt, Frischkäse, Gurke & Co. einen Schreikrampf bekommt. ;-)
    Jetzt lebe ich nach der Formel weniger essen als verbrauchen, von allem ein wenig (nicht gleich die ganze Tafel Schokolade) und Bewegung - komisch! mein Gewicht samt bester Blutwerte halte ich nun auch ohne Entgiftung ...

    Mit herzlichen Grüßen
    bu alias Uschi aus Bayern

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    1. Ich hab noch nie entgiftet - aber abgenommen. Ganz ohne vorher irgendwelches Gift loszuwerden. Hat auch funktioniert ;-) Weniger essen als verbrauchen ist übrigens eine geniale Methode. Funktioniert bei mir seit zehn Jahren zuverlässig.

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  2. Außer im Netz sehe ich nie Leute, die kurzzeitige Detox Programme machen. Ich gehe mal davon aus, dass die meisten inzwischen gelernt haben, dass so etwas nix bringt.
    Wobei ich ja auch detoxe. Oder verzichte. Aber nicht vorübergehend 5 oder 40 Tage sondern 365. Fast ohne Ausnahme und gut gelaunt und das ganz ohne Industriezucker. Mit besten Blutwerten, aber die waren auch vorher gut. Und zunehmend detoxe ich auch mit den sozialen Medien. Tut auch gut.
    Und sei mal froh, dass es den Hashtag healthy gibt. Sonst hättest du über die Bikinifigur schreiben müssen oder den Trend der Saison.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Die seh ich auch nie, aber vielleicht kenne ich ja auch die falschen Menschen. 365 Tage auf Zucker zu verzichten ist da ja mal eine ganz andere Nummer. Das ist eine Ernährungsumstellung, die ich wirklich bewundere. Ich fürchte, ich schaffe das nie.
      Der Hashtag healthy ist klasse. Das singen sogar meine Kinder im Chor morgens, wenn wir Frühstück machen ;-)

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  3. So eine ordentliche Lebensmittelallergie würde den meisten helfen nicht auf so eine bekl.... Idee zu kommen. Ich kenne den ein oder anderen der fastet aber ich weis von keinem der sich innerlich reinigen müsste oder würde . Ich glaub das ist eher so eine I-net Geschichte . Meiner Meinung nach kann man sich das ganze Jahr gescheit und abwechslungsreich ernähren dann funzt das auch mit dem inneren.
    Wo bei wenn ich gerade nachdenke , ich mache FB und Insta- Detox ...*gg
    LG und schönen Feiertag

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    1. Fasten ist laut meinem Arzt durchaus eine gute Idee. Aber Fasten allein bringt ja kein Geld ;-) Und eine schnöde Gemüsebrühe auch nicht... Und ja, ich glaube, das ist eine Inet-Lifestyle-Geschichte. Vor den sozialen Medien gab es halt einfach keinen Markt dafür.

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  4. Doch. Dir Wunderkuren und Wunderfettschmelzmittel gibts schon ewig.
    Is nix für mich. BG Sunny

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  5. Hach köstlich, ich bin ja auf der Seite der Schulmedizin, immerhin zahlt die mein Gehalt :)
    Köstlich... stell Dir vor es gibt ein Detoxprogramm und keiner geht hin. Das wäre fatal! ;)
    Danke für die Unterhaltung. Ich wünsch Dir einen schönen Maifeiertag, liebe Grüße Tina

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  6. Schiete. Davon hab ich nix mitbekommen, weil ich Blog gedetoxt habe. Mhhh.

    Liebe Grüße Sabine

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  7. Hihi – mal wieder wunderbar auf den Punkt gebracht. Sogar noch ein bisschen wunderbarer als sonst, finde ich. :)

    Ja, es ist schon faszinierend, was einem immer so verkauft werden soll und wer sich dann auch noch zu Werbemaßnahmen für dieses Zeug hinreißen lässt.

    Liebe Grüße
    Gunda

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  8. :-) Herrlich, liebe Fran!
    In meiner Tasche finden sich auch Schoki, Kaugummi und vielleicht auch Gummi-Bärchen oder ein Lolli. So ist das halt. Sollen die doch alle detoxen gehen. Ich mache einfach irgendwann FdH.
    Schönen Abend und liebe Grüße
    Claudia :-)

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  9. Ich habe gerade beste Erfahrungen mit Fasten hinter mir und bin so motiviert, dass ich mit dem Intervallfasten weitermache, daher fühlte ich mich beim Lesen erstmal unangenehm ertappt... ;-) aber dann ist mir aufgefallen, dass ich keinerlei Pülverchen, Shakes oder sonstiges zu mir genommen habe, wo ein Hashtag drauf war oder jemand was dran verdient hätte :-) Reines Fasten "entgiftet" bestens, weil man ja kein Gift oben reinschiebt... Schlacken sind mir allerdings auch nicht aufgefallen ;-))) Vermutlich halten die sich sehr versteckt, die Mistviecher. :-)
    Allerdings atme ich hier in München so viel Feinstaub ein, dass ich sowieso nie detoxen kann, hihi.
    Schulmedizin ist schon okay, aber manchmal auch ein wenig drüber hinaus schauen und versuchen, den Horizont zu erweitern kann nicht schaden, finde ich. Dazu hab ich schon zu viel gesehen und erfahren, als dass ich sagen kann: nur die Medizin, die mir bzw. meiner Ärztin bekannt ist, taugt was.
    Aber wunderbar geschrieben, mal wieder! Danke und liebe Grüße,
    Maren

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  10. Hachz wie schön das wäre nur 5 Tage zu entgiften und alles wäre gut und rein und perfekt. Hab grade leise Sehnsucht danach ..

    Liebe Grüße zu dir und einen festen Knuddler <3

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