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Mein August 2019


Bittersüß - das ist wohl die richtige Bezeichnung für den vergangenen Monat. Die erste Hälfte bitter, die zweite Hälfte süß. Ein Kontrastprogramm, das ich mir in dieser Form ganz sicher nicht gewünscht habe, aber das Leben hat es eben geliefert.

Ich weiß, für einen Blogger gehört es sich eigentlich, dass er in einem Monatsrückblick über den schönsten Monat seines Lebens schreibt, die wundervollsten Momente und die meisten Superlative erlebte. Ihr kennt das alle. Das wäre im August bei mir ja vielleicht auch der Fall gewesen. Schließlich ist das mein Geburtsmonat und damit ist er prädenstiniert dafür, einfach wunderschön zu sein. Es kam anders.

Mit Superlativen kann ich allerdings dienen. Es war der wohl traurigste Monat des Jahres. Am 1. August gab es schon am Vormittag eine Nachricht, die ich lieber nicht bekommen hätte. Ein Mensch, den ich sehr lieb gehabt habe, war in der Nacht mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung ins Krankenhaus eingeliefert worden. Ziemlich schnell war klar: Diese Erkrankung war nicht lebensbedrohlich, sondern ein Todesurteil. Fast zwei Wochen dauerte der Kampf. Fast zwei Wochen, die unheimlich schwer waren für alle, die diesen Menschen in den Tod begleitet haben. Fast zwei Wochen, in denen wir alle wussten, was kommt.

Der Blick aus dem Krankenhausfenster. So lange habe ich wohl noch nie am Stück aus einem Fenster gesehen.

Ich weiß, das Thema ist blogtechnisch etwas, was man lieber verschweigt. Denn wir leben ja – vor Glück fast zerplatzend – ewig und der Tod gehört ganz sicher nicht zu unseren Leben. Der ist negativ besetzt, total unattraktiv und voller bad vibes. Also kommt er schlichtweg nicht vor. Blöderweise hält sich das Leben nicht an die Blogger-Realität. Das Leben geht eigene Weg. Meines auf jeden Fall.

Und wenn ich Euch einen guten Rat mit auf den Weg geben darf, dann diesen: Kümmert Euch um eine Patientenverfügung. Wenn dieser Mensch, den ich beim Sterben begleitet habe, nämlich keine gehabt hätte, dann hätten die Ärzte dafür sorgen müssen, dass er weiterlebt - ungeachtet dessen, was „leben“ in diesem Moment noch bedeutet. „Leben“ mit ständigen Schmerzen, unfähig sich mitzuteilen, unfähig sich zu bewegen, unfähig all dessen, was bis dahin ein Leben ausmachte. Die Patientenverfügung hat diesen Menschen davor bewahrt.

Es war ein mieses, hartes und langsames Sterben und das eine oder andere Mal habe ich mich gefragt, ob das so richtig ist oder ob man nicht doch lieber auf ein Wunder hoffen sollte. Nur: Wunder passieren nicht, wenn man sie gerade mal braucht. Und deshalb war es richtig so. Wie sehr habe ich mir in diesem knapp zwei Wochen gewünscht, dass es mehr Hospize gibt, in denen man friedlicher sterben darf. Aber es gibt nicht genügend in diesem Land. Eine Sache, für die es sich zu engagieren lohnt.


Ich habe überlebt, ob es richtig war, genau in diesem Moment für ein paar Tage an die Ostsee zu fahren. Geplant war der Trip schon lange. Und ich habe es getan und es war richtig. Ein Wochenende lang durchatmen anstatt im Krankenhaus zu sitzen war eine gute Entscheidung. Auch wenn die Gedanken fast pausenlos anderswo waren.


Ja, und dann war da noch mein Geburtstag. Der war letzendlich unwichtig. Ich hoffe, ich darf noch einige Geburtstage feiern und die werden dann auch wieder fröhlicher. Immerhin hat Kind, klein, einen wirklich tollen Geburtstagskuchen gezaubert und diese beiden Gestalten auf dem Kuchen, die Euch vielleicht albern erscheinen, wecken wunderschöne Erinnerungen. Ablenkung gab es außerdem bei der Vorbereitung zur Basketball-WM in Hamburg, wo ich mit der deutschen Mannschaft mitfiebern durfte.



In der zweiten Monatshälfte also Kontrastprogramm. Schon vor Monaten hatte ich den Sommerurlaub geplant. Nicht Sommer, Sonne, Spanien sollte es diesmal sein, sondern Sommer, Sonne, Ostsee. OK, ich gebe zu, das mit Sommer und Ostsee ist riskant. Aber es hat geklappt - auf jeden Fall bis jetzt. Die Entscheidung, erstmals in meinem Leben nach Polen zu fahren und Danzig anzusehen, war goldrichtig. Danzig ist eine wunderschöne Stadt. Zwischenstation habe ich in Stettin gemacht und auch Stettin ist definitiv eine Reise wert. Genauso wie die Ostseeküste in Polen. Ich habe mich ein bissvchen in dieses Land verliebt. Wer mir auf Instagram folgt, hat schon einige Danziger Impressionen genießen dürfen. Für den Rest kommt demnächst noch ein ausführlicher Post zu dieser tollen Stadt.

Erstmal Stettin mit seinem wunderschönen Palast...
... und einem Kulturfestival mit großartige Tänzern.




Während anderswo scheinbar schon der Herbst ausbrach, war in Danzig Sommer. Richtiger Sommer mit 30 Grad.


Nach ganz viel Sightseeing und Treibenlassen in Danzig war ich einige Tage auf Rügen und habe die letzten Sommertage noch einmal so richtig genossen. Und auch wenn die Ostsee verglichen mit dem Mittelmeer echt a****kalt ist, habe ich mich überwunden und doch reingetraut :-) War übrigens toll und nach einer Schrecksekunde gar nicht mehr sooo kalt.



Und auch auf Rügen: Sommerkleidwetter bis nachts.
Und wie das so ist, habe ich zwar vor dem Urlaub gedacht, dass ich gaaaaanz viel Zeit habe, um gaaaanz viele Blogposts zu schreiben. Die hatte ich dann irgendwie doch nicht und ich fürchte, das ändert sich auch in der letzten Urlaubswoche nicht, die ich in Kühlungsborn verbringe. Oder vielleicht doch? Wir werden sehen :-)


Ach ja, DAS wollte ich Euch auch nicht vorenthalten: Es gibt endlich wieder Lebkuchen! Auf Rügen war es schon Ende August soweit. Lebkuchen bei 30 Grad - was kann es Schöneres geben? Äh ja. Vieles. Ein paar Spekulatius allerdings habe ich mir schon genehmigt….

Liebe Grüße
Fran




Kommentare

  1. Eine Patientenverfügung habe ich noch nicht gemacht. sollte ich auch mal tun. Erst vor ein paar Jahren habe ich hautnah mitbekommen wie lange sterben dauern kann.

    Mein August habe ich die eine Hälfte gearbeitet und die andere Hälfte in Schweden verbracht . Zusammen gefasst ...gut war´s . Also zumindest das allermeiste ;)

    LG heidi

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  2. Der Tod ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Je älter ich werde, desto öfter erlebe ich ihn bei anderen. Zum Schluß auch bei mir selbst. Gut, wenn einem das wirklich bewusst ist und man vorsorgt mit Patientenverfügung, Testament und vielleicht sogar mit dem Platz und der Art der Beerdigung. Das habe ich getan. Das Fehlen dieser wichtigen Informationen habe ich nämlich leider schon öfters erfahren und wie ungut das ist. Andersherum habe ich auch erfahren, wie gut es ist, wenn all das vorliegt und wichtige Entscheidungen im eigenen Sinn bereits vorab getroffen wurden. Dann ist es zwar auch sehr traurig, aber ich weiß, dass alles im Sinne dieses Menschen war und das ist für mich tröstlich.
    Ein Urlaub an der Ostsee, noch dazu in solch unterschiedlichen und wunderschönen Orten, ist genau das Richtige, um dann wieder einigermaßen ins Lot zu kommen. Ich war ja heuer auch in Dänemark an der Ostsee und habe dieses Meer wieder für mich entdeckt. Nach 25 Jahren. Wir haben schon für nächstes Jahr wieder gebucht...
    Ich wünsche Dir, dass der September für Dich ein guter Monat mit Zeit für die Trauer und Zeit für bunte Herbst-Farben wird!
    Herzlich grüßt Sieglinde

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  3. Liebe Fran, dein Beitrag zeigt so deutlich, wie Freud und Leid in unserem Leben nebeneinander liegen. Danke daher für diese ehrliche Darstellung – es ist immer schön bei dir zu lesen, weil du die Dinge einfach beim Wort nennst, auch Unangenehmes, Trauriges oder Enttäuschendes ansprichst und nicht nur eine geschönte Form darstellt. Diese Auf und Ab macht doch unser Leben aus und das spiegelst du so wunderbar wider. Es freut mich besonders, dass du nach der schweren Zeit – und ich denke, das kann wirklich nur jemand beurteilen, der selbst einen lieben Menschen beim Sterben begleitet hat – doch einen schönen Urlaub verbringen kannst. Die Ostsee kenne ich bisher nur von einer Woche Timmendorfer Strand und Polen überhaupt nicht. Daher bin ich natürlich schon auf deinen Bericht über Danzing bespannt. Ach ja und zu deinem letzten Bild – da bekenne ich mich gleich schuldig, ich gehöre zu jenen Frevelhaften, die bei Lebkuchen in den Regalen sofort zuschlagen und diese auch mit Genuss verspeisen und da kann es gerne draußen noch Sommer sein.
    Hab noch eine ganz wunderbare Urlaubswoche und alles Liebe

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  4. Du hattest "überlebt, ob es richtig war, genau in diesem Moment für ein paar Tage an die Ostsee zu fahren...." ? Die Antwort steckt ja schon in diesem kleinen Freud'schen... Klar, denn wir, die wir bislang (durch Zufall) überlebt haben, sollen vor allem eins: leben. Polnische Ostsee und Danzig stell ich mir auch wunderschön vor, und Deine Bilder bestätigen das ja. Wundervoll schaut's da aus.
    Liebe Grüße, Maren

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  5. Kein schöner Monat für Dich. Ich finde es gut, dass Du trotz aller Umstände an die Ostsee gefahren bist. Das macht den Kopf zumindest für einen Moment wieder frei.

    Liebe Grüße Sabine

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  6. Der Monat war nicht einfach für dich, liebe Fran, aber in den Urlaub zu fahren war wirklich die beste Option. Trauer braucht Zeit und es gibt nichts besseres dafür, als eine erholsame Zeit am Meer zu verbringen.
    Liebe Grüße und alles Gute,
    Claudia

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