Direkt zum Hauptbereich

Manchmal glaube ich, ich bin ein Alien. Mit Rollkragen.





Manchmal glaube ich, ich bin ein Alien. Irgendwie aus der Zeit gefallen. Oder aus dem Trend. Was weiß ich.

Woran das liegt? Ich höre und lese immer und immer wieder von Menschen, die gern mal jammern und klagen, dass sie all die Negativität, die uns angeblich umgibt, nicht mehr ertragen können. Schon am Morgen fängt das an. In der Zeitung: Nur Negatives. Im Autoradio: Nur Negatives. Die Kollegen: Konzentrieren sich nur auf Negatives. Und so geht das den ganzen Tag. Und um all der Negativität zu entfliehen wird die Zeitung abbestellt, im Autoradio ein Sender eingestellt, der garantiert nonstop Musik spielt und anstatt mit den Kollegen zu reden verbringt man seine Pause halt mit Instagram. Und nach der Arbeit geht es mit Netflix aufs Sofa. Nachrichten? Nö. Zu negativ.

Tja, und dann bin da ich. Ich mache beruflich Nachrichten. Also das, was zur Zeit alle Welt als Negativität bezeichnet. Da muss ich ja quasi in der Vorstellung derer, die ohnehin nicht die hellsten Kerzen an der Tanne sind, das personifizierte Böse sein. Es gibt sogar ein paar Menschen, die behaupten – selbstverständlich ohne mich jemals kennengelernt zu haben – ich würde mich in Negativität geradezu suhlen. Äh, hallo? Jemand zuhause?

Wer hat eigentlich das Märchen in die Welt gesetzt, dass Nachrichten immer negativ sein müssen? Vermutlich jemand, der seit Jahren keine Zeitung mehr gelesen hat. Nachrichten können sowas von positiv und ermutigend sein! Nehmen wir den Klimawandel. Klar ist die Aussicht auf eine Erde, die von uns in Gemeinschaftsarbeit unbewohnbar gemacht wird, schrecklich. Und dann gibt es da diese Kindergartengruppe, die mit ihren Erziehern jeden Freitag loszieht, um auf „ihrem“ Spielplatz Müll einzusammeln. Oder in unserem Kuhkaff 1000 Menschen, die beim Klimastreik mitmachen und wirklich dafür einstehen, kürzer zu treten in Sachen Konsum. Oder die Demo gegen eine rechte Veranstaltung, zu der sich Hunderte von Menschen hier kürzlich getroffen haben. 17-jährige Schüler standen Seite an Seite mit über 80-jährigen, die Nazi-Deutschland selbst als Kinder miterlebt hatten. Das hat mich sehr berührt und mir nicht nur ein breites Lächeln ins Gesicht gezaubert, sondern mich auch beim Schreiben darüber beflügelt. Es gibt so viele positive Nachrichten. Man muss sie nur sehen wollen.

Und bei denen, die wirklich negativ sind, hilft Wegsehen auch nicht. Klar, man kann Klimawandel, Rechtsruck und sogar Trump, Orban und Johnson nach Kräften ignorieren. Aber betrügt man sich dann nicht selbst? Ist es nicht viel sinnvoller, auf dem Weg zu einem positiven Leben auch Negativität zu sehen, zu erkennen und wenigstens versuchen, etwas dagegen zu tun? Und sagt mir jetzt nicht, dass das nicht geht. Es geht. Allerdings nur, wenn man den Arsch hochkriegt und auch mal aufsteht. Wenn man auf dem rosa Sofa bleibt, netflixt und chillt, wird das eher nix.

Einfach nur all die böse Negativität zu ignorieren ist feige. Damit betrügt man sich nur selbst. Das mag bei Zweijährigen funktionieren, die sich die Augen zuhalten und glauben, dass man sie dann nicht mehr sieht. Dummerweise sind wir nicht mehr zwei Jahre alt. Nichtmal mit allem Botox der Welt.

Und ja, ich bin ein Mensch, der gern mal Klartext redet. Der kritisiert, wenn ihm etwas über den Weg läuft, was augenscheinlich Blödsinn ist. Deshalb habe ich auch genau den Beruf, den ich habe und deshalb arbeite ich nicht bei einer Frauenzeitschrift und schreibe über die zehn schönsten Herbsttrends und die 20 Geheimtipps für eine klare Haut. Been there, done that sagt man wohl. Sondern ich arbeite bei einer stinknormalen Tageszeitung. Da darf ich – anders als in Bloggerhausen – sogar kritisieren. Und, oh Wunder, die Kritik kommt an und zeigt Wirkung. Da werden hirnrissige Beschlüsse zurückgenommen und man setzt sich an einen Tisch, um eine für alle befriedigende Lösung zu finden.

Ok, ich bin jetzt nicht so vermessen zu glauben, dass das auch in Bloggerhausen angesichts von Kritik passieren könnnte ;-) Und deshalb gibt es jetzt noch ein Outfit von einem durch und durch positiven Tag. Den durfte ich mit Kind, groß, verbringen, die inzwischen so fest auf eigenen Füßen steht wie ich es mir nicht fester wünschen könnte. Was für ein wahnsinniges Gefühl, wenn die eigenen Kinder plötzlich „richtige“ Erwachsene werden! Und weil ich scheinbar nicht alles falsch gemacht habe, zieht es sie trotzdem noch regelmäßig zu ihren alten Eltern und wir haben einen tollen Tag gehabt, mit Gesprächen, Umarmungen und ganz viel Mama-Tochter-Liebe. Und natürlich sind wir an der Elbe unterwegs gewesen.









Weil es inzwischen mächtig herbstelt, durfte zum ersten Mal auch ein richtiger Winterpullover mit. Als Ausgleich habe ich die Jacke zuhause gelassen :-) Und weil es tatsächlich mal nicht geregnet hat, war ich in heller Jeans unterwegs. Ich könnte ja zurzeit ununterbrochen jauchzen, wenn ich beim Bummeln all die Farben sehe, die der Rest der Welt nicht so gern hat: Die ganze Palette zwischen Creme und braun, inklusive sämtlicher Natur-Schlamm-Töne, die man sich so vorstellen kann. Ich liebe sie :-) Aber ich bin ja auch ein Alien.

Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Diese Aussprüche über die ach so negativen Nachrichten kenne ich der Blogszene und aus anderen Social Mediabereichen. Im realen Leben begegnet mir das zum Glück nie. Da interessieren sich die Menschen noch für Nachrichten, diskutieren und geben nicht auf. Und das ist für mich die reale Welt. Menschen, die keine Nachrichten mehr hören, weil alles so schlecht ist, kann ich nicht ernst nehmen.
    Liebe Grüße
    Andrea

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt, in der Realität kenne ich solche Sprüche auch nie. Gottseidank. Alles andere fände ich schon sehr merkwürdig.

      Löschen
  2. Super der Pulli und das ganze Outfit und die Fotos sind klasse! Kompliment auch an Kind groß :) Ja es ist toll erwachsene Kinder zu haben. Dir stehen diese Farbtöne aber auch zu gut finde ich. Klasse dass es jetzt so viel davon gibt. Ich finde es ja schlimm, wenn die Leute denken es ist Winter und tragen nur noch Schwarz.

    Ich hab hier keine negativen Menschen um mich rum, aber auch keine die nur Netflix gucken und auf rosa Sofas liegen. Ich finde auch nicht dass in Bloggerhausen nur auf der rosa Taste geschrieben wird. Außer bei meinem Blog.... ich bin der rosa Alien mit den verrückten Taschen, weil das mein Hobby ist.
    Nachrichten sind natürlich auch positiv aber es ist ein Phänomen, dass sich das negative über mehr einprägt. Ich finde Deine Nachrichten heute zum Beispiel sehr interessant und finde es schön wenn sich verschiedene Generationen einig sind und gemeinsam etwas tun. Wenn das keine guten Nachrichten sind ;)
    Ich wünsche Dir einen schönen Mittwoch, liebe Grüße Tina

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es liegt aber doch an einem selbst, wenn man nur die negativen Nachrichten im Kopf behält, oder? Wer sich aber für einen wahnsinnig positiven Menschen hält, wenn er einfach allen Nachrichten abschwört, weil die ja so negativ sind - äh ja. Der sollte mal seine Logikfähigkeit überprüfen.

      Hihi, und doch, ich kenne Dauer-Netflixer. Ich bin sogar die Mutter von einem. Allerdings nur in den Semesterferien. Als die Mutter bin ich natürlich ständig. Netflix und Chill geht nur noch in den Ferien.

      Löschen
  3. Ha da sehe ich grade Andreas Kommentar. Genau so ist es. Wie sich das social Leben immer vom irl unterscheidet. Seltsam seltsam.
    Das erinnert mich an den Ausspruch "in diese Welt setzt man doch keine Kinder" .. ich glaub das sagen die Leute seit Erfindung der Pille. Das fand ich immer schon seeeehr negativ. Und als Kind hab ich immer gedacht..... HÄÄÄ???

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich schätze mal, das Leben in den sozialen Medien unterscheidet sich eigentlich gar nicht vom realen Leben. Was sich unterscheidet, ist allein die Präsentation. Naja, und vermutlich der Wahrheitsgehalt.

      Löschen
  4. Der Pulli ist cool. Solche hab ich "früher"... so vor 30 Jahren ... lach gern getragen. Schön, lang und weit, mit Rauten und Rolli. Jetzt find ich Rollkragen irgendwie unangenehm, was mit meinem Kropf zusammenhängen könnt. Lach. Oder es ist einfach Gewohnheit.
    Wo liegt das eigentlich, dieses Bloggerhausen? Nach Entenhausen und über den sieben Bergen? Zu weit um Zeitungen zu liefern. Die Berge zu hoch um den Radioempfang zuzulassen. Dafür aber mit einer 100 000 er Leitung ins WWW?
    BG Sunny

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Rollkragen fand ich jahrelang total blöd, aber inzwischen freue ich mich über einen warmen Hals.
      Bloggerhausen liegt irgendwo ganz weit hinter Entenhausen. Da scheint immer die Sonne, aber nicht so sehr, dass sie auf Fotos blenden würde ;-)

      Löschen
  5. Hallo Fran, wieder ein schöner Beitrag heute. In Kölle sagt man "Arsch huh - Zäng ussenander" - gilt für viele Aspekte des Miteinanders und des "großen Ganzen"!

    Sonnige Grüße vom Rhein an die Elbe
    Susa

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Oh ja, den Spruch kenn ich :-) Und er ist sowas von wahr.

      Löschen
  6. Mir ist ein Alien mit Rollkragen auf jeden Fall lieber als ein Einhorn mit rosaroter Brille. Es gibt ja nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen auf der Welt. Das darf in einem Blog oder auf Instagram auch gern mal Thema sein.

    Dein Pullover steht Dir jedenfalls sehr gut.

    Liebe Grüße Sabine

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wenn es nur noch Eierkuchen gäbe, käme garantiert jemand auf die Idee, damit zu werfen ;-) Würde also aus nix bringen. Abgesehen davon bleibt ja die Frage: Wird der Eierkuchen mit Bioeiern produziert oder sind es etwa Eier aus Käfighaltung? *grins*

      Löschen
  7. Klar gibt es gute Nachrichten, weil es auch wirklich viele gute Menschen gibt.
    Das ist sehr tröstlich und ich erlebe es jeden Tag. Selbst im Geschäftsleben übrigens.
    Und es gibt viele schlechte Nachrichten, weil es viele schlechte und mächtige Regierungschefs derzeit gibt, das finde ich beunruhigend.
    Das ist kurz gefasst meine Gemütsgemengelage.
    Was aber gar nicht ginge bei mir, wäre ohne gute gedruckte Tages-Zeitung leben! Täglich lese ich sie und freue mich über die gute Arbeit der JournalistInnen, die mir Vieles erklären, die mich informieren und die gut und interessant schreiben!
    Selbst, wenn ich wo im deutschsprachigen Raum in Urlaub bin, kaufe ich dort die lokale Tageszeitung und bin super informiert. So überrasche ich oft im Hotel die Angestellten damit, dass ich mehr weiß als sie über die aktuellen Dinge vor Ort und meine Verwandtschaft in Salzburg ist jedesmal total überrascht, was ich ihnen alles darüber erzählen kann, was aktuell los ist dort. Politisch und kulturell.
    Ja, Zeitung macht schlau!
    Und deshalb finde ich es ganz toll, dass Du an genau so einer mitwirkst und die Welt ein wenig schlauer machst und auch die positiven Meldungen bringst. Wir können es alle brauchen!
    Herzlich grüßt die Zeitungsleserin Sieglinde

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ich freu mich immer wie ein Schnitzel, wenn Menschen mir erzählen, dass sie tatsächlich noch Zeitung lesen :-) Ich kann mir nicht vorstellen, beruflich etwas anderes zu machen, denn dieser Job macht einfach Spaß ohne Ende.

      Löschen
  8. Ich gestehe , mein Blog ist nicht die Plattform auf der Platz für Politik, Sport von anderen oder Religion ist. Das ich das so mache hat einen für mich wichtigen Hintergrund. Und da ich bisher sehr gut damit gefahren bin, werde ich das auch nicht ändern. Aber wer mag und gut informiert ist, kann sich gerne mit mir Auge in Auge darüber unterhalten ;)
    Kein Thema . Jederzeit gerne
    LG heidi

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ein Blog muss ja auch keine Plattform für Politik sein. Aber ich denke auch, dass man sich informieren und einstehen sollte für seine Einstellung. Wie auch immer die aussieht. Ansonsten brauchen wir uns nämlich nicht zu wundern, wenn wir irgendwann von politischen Richtungen regiert werden, die wir nicht wollen. Und dann hilft es eben nicht, wenn man sagt, man habe das ja nun gar nicht mitgekriegt... Hatten wir schonmal. Ist schief gegangen.

      Löschen
  9. Ist das eine gute oder eine schlechte Nachricht? Es geht darum zu wissen, auf welcher Seite wir stehen - selbst die schlechten Nachrichten können für diejenigen gut sein, die sie provoziert haben. ;) Das Leben ist das Ergebnis beider Nachrichten und wir können keine von beiden ignorieren.
    Aber was ich hasse, sind die fake News, die häufig nicht auf den ersten Blick zu erkennen sind. Mein Vater war Politiker und Journalist und hat mir den Wert der Recherche und Fairness beigebracht.
    Und auch wenn du nicht „über die zehn schönsten Herbsttrends und die 20 Geheimtipps für eine klare Haut“ schreibst, liebe ich deine Trend-Outfits und deine Foto-Shootings, so wie heute z.B.. Winterpullover habe ich noch nicht aus dem Schrank geholt, aber wenn soweit ist, sicher wird er auch mit Rollkragen - meine Favoriten!
    Tolle Bilder und ich bin immer noch in diese Tasche verliebt!
    Liebe Grüße,
    Claudia

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt. "Für die Schlechten sind die Guten die Bösen". Pflegt meine Tochter zu sagen.
      Dein Vater klingt interessant. Politiker und Journalist zu sein stelle ich mir sehr, sehr schwierig vor. Ich habe ja selbst mal mit dem Gedanken gespielt, zumindest in der Kommunalpolitik mitzumischen. Aber das hätte sich mit meinem Job sehr schlecht vertragen weil ich bislang da wohne, wo ich arbeite.

      Löschen

Kommentar veröffentlichen

Dieser Blog ist mit Blogspot, einem Googleprodukt, erstellt und wird von Google gehostet. Es gelten die Datenschutzerklärung & Nutzungsbedingungen für Googleprodukte.

Wenn Du die Kommentare zu diesem Beitrag durch Setzen des Häkchens abonnierst, informiert Dich Google jeweils durch eine Mail an die in Deinem Googleprofil hinterlegte Mail-Adresse.
Durch Entfernen des Hakens löscht Du Dein Abbonement und es wird Dir eine entsprechende Vollzugsnachricht angezeigt. Du hast aber auch die Möglichkeit Dich in der Mail, die Dich über einen neuen Kommentar informiert, über einen deutlichen Link wieder abzumelden.

Beliebte Posts aus diesem Blog

Berge, Meer und mehr - mein August 2021

Monochrom: Sand nicht nur im Schuh ;-)

Pauschal und ich