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Leinen knittert edel oder: Quarantäne ist überall


Wohin der Bloggerblick auch schweift: Die Quarantäne ist überall. Oder besser: Der Blogger, der auf sich hält, ist längst in Quarantäne gegangen. Arbeitet aus dem Homeoffice. Naja, das ist jetzt nicht so richtig neu, das tun die meisten Profi-Blogger ohnehin. Und endlich ist es Zeit, den Homeoffice-Schreibtisch (ihr wisst schon, das kleine, aufgeräumte, weiße Tischen), auf dem höchstens ein Strauß Blumen neben dem MacBook steht, zu zeigen. Abendfüllend ist das Schreibtisch-Programm zwar nicht. Aber mit einer Prise Yoga, einer großen Portion Lounge-Fashion – nein, das ist nicht dasselbe wie ein Schlunz-Outfit – und garniert mit reichlich Haut- und Haarpflege geht das schon. Und Schmuck. Schmuck ist derzeit wohl hoch angesagt, wenn man durch die Insta-Welt streift. Wer im Homeoffice keinen Schmuck trägt, ist völlig out, aber das nur am Rande.


Zurück zur Quarantäne. Weil die zurzeit schwer angesagt ist und man ohne Quarantäne sozusagen nicht so richtig hip ist, wollte ich das nun auch mal ausprobieren. Im Homeoffice bin ich ja schon, Schritt eins wäre also geschafft. Denn so eine richtig meditative Quarantäne, die kann man ja selbstredend vergessen, wenn man täglich das Haus zum Arbeiten verlässt.

Als ich an Quarantänetag 1 morgens putzmunter aus dem Bett hüpfe (haha, war ein Witz), muss ich leider feststellen, dass der Joghurt alle ist und, noch viel schlimmer, die Himbeeren und Blaubeeren, die ich gestern für das fotogene Frühstück gekauft hatte, sind auch weg. Mist. Eigentlich könnte ich jetzt das Töchterlein in die große, weite Welt jagen, um einkaufen zu gehen. Die hat schließlich auch die Beeren auf dem Gewissen. Sie sitzt aber längst vor dem Rechner im Online-Seminar ihrer Uni und behauptet, keine Zeit zu haben.

Ein Blick auf Instagram verrät mir: Es ist absolut ok, einkaufen zu gehen, während man in Quarantäne ist. Selbst der noch so hippe Blogger geht einkaufen, solange er nicht so hip ist, dass er Personal hat. Also raus aus der Lounge-Hose und ab in den Supermarkt. Leider ist die Maske, die ich beim örtlichen In-Designer bestellt habe, noch nicht angekommen. Wie gut, dass in Deutschland noch keine Maskenpflicht bei Einkaufen herrscht. In Österreich wäre ich an dieser Stelle verhungert. Ist es eigentlich angesagt, sich jetzt das Fendi-Seidentuch, das irgendwo in meinen Besitztümern befindet, vor Mund und Nase zu binden? Wenn ich das bei 60 Grad wasche - au weia. Muss also ohne Schutz gehen. Macht das Ganze auch noch viel abenteuerlicher.

Wenn ich eh schon unterwegs bin, mache ich gerade noch einen kleinen Abstecher auf den Markt, ich brauche dringend diesen dekorativen Arm voller Tulpen, ohne den man auf Instagram keine Quarantäne übersteht. Und die wahnsinnige Mascara, die sämtliche Instagrammer gerade so toll finden, die kann ich schnell auch noch kaufen. Obwohl ich ja sonst niemals in Drogeriemärkten mein Make-Up… naja, ihr kennt das.

Drei Stunden später sind alle Einkäufe gemacht, alle Hände gewaschen und es geht an den Homeoffice-Schreibtisch. Sollte ich jetzt mal etwas ganz Verrücktes tun? Einen Post zum Thema „Effizient im Homeoffice“ schreiben etwa? Na, lieber nicht. Wobei ich da vermutlich der Blinde unter den Einäugigen bin. Neuerdings schaffe ich es sogar, in der Video-Redaktionskonferenz den Ton einzuschalten. Ich werde noch zum Nerd. Wenn ich das kann, sollte eigentlich auch einer Tik Tok-Karriere nichts im Wege stehen, oder? Die Bloggerwelt scheint nämlich gerade voll auf Tik Tok abzufahren. Ich eher nicht und selbst meine Töchter fühlen sich dazu gerade zu alt, sagen sie. Vermutlich wollen sie aber nur nicht, dass ihre olle Mutter ihre Accounts ausspioniert.

Nach zwei Stunden Homeoffice habe ich mir eine Pause verdient. Ich könnte jetzt Yoga auf dem Balkon machen oder in der Küche solange meditieren, bis ich eine der Töchter herbeimeditiert habe, damit die mir etwas kocht. Aber ich habe viel mehr Lust auf eine Runde mit dem Fahrrad. Vorsichtshalber gucke ich auf Instagram mal nach, ob Radfahren in der Quarantäne ok ist. Aber ja! Radfahren und Joggen geht wunderbar, wenn man sich in Quarantäne befindet. Für beides darf man sich sogar mit einer Freundin treffen. Tolle Idee. Ich rufe meine Freundin an. Der fällt auch die Decke auf den Kopf und da sie als regelmäßige Instagram-Nutzerin weiß, dass wir zusammen radeln dürfen, geht wir, mit Abstand natürlich, auf Tour. Hach, so eine Quarantäne ist eigentlich gar nicht so schlecht. Wenn jetzt noch der Eisladen um die Ecke geöffnet wäre, wäre es perfekt.

Abends stelle ich nach einer weiteren Homeoffice-Session und einem kurzen Plausch mit den Nachbarn mit Schrecken fest, dass ich vermutlich demnächst das Haus nicht mehr verlassen kann. Die Frisur! Ich brauche einen Friseur! Das geht ja gar nicht mehr. Herrje, was tu ich denn jetzt? Ach, morgen ist auch noch ein Tag. Erstmal muss ich bei Instagram recherchieren, wie man damit jetzt umgeht. Erstmal kommt aber jetzt der Abendspaziergang, den ich seit Einführung der Quarantäne, also genau seit heute früh, in meine Routine aufgenommen habe.

Das große Kind kommt nach Hause. Und das erste, was es tut, ist mit mir zu meckern. Aber so richtig. Was das denn bitte für eine Quarantäne sei, bei der ich das Haus gleich am ersten Tag gleich drei verlasse? So gehe das nicht. Sie zitiert aus den Quarantäneregeln irgendeiner medizinischen Einrichtung, für die sie arbeitet. Ja nee, ist klar. Keine Ahnung hat es, das Kind. Ich erkläre ihr, dass es sich bei meiner Quarantäne um eine Instagram-inspirierte Quarantäne handelt und das ist nunmal etwas ganz anderes. Das Kind zeigt sich einsichtig, zumindest tut es so. Ihr wisst schon, wirtschaftliche Abhängigkeit und so.

So, und damit ihr euch davon überzeugen kann, wie ich in Quarantäne so aussehe, gibt es Fotos vom quarantänigen Balkon. Jeans trage ich im Homeoffice ohnehin und der geringfügig oversized geschnittene Blazer knittert dank Leinen so sehr, dass er für das wirklich Office absolut ungeeignet ist. Das T-Shirt hat mir das Kind gerade geschenkt, als Erinnerung an unser Wochenende in Barcelona vor ein paar Wochen, als Quarantäne noch kein Thema war. Eigentlich bin ich ein absoluter T-Shirt-Verweigerer. Aber in Quarantäne sind die schonmal in Ordnung :-)






Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Sehr gut geschrieben, musste sehr lachen, danke :-)

    Ein schönes Osterfest für Dich, viele Grüße
    Katja

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  2. Also ich sitze in Jeans, T-Shirt und Pantoffeln am Esstisch im Homeoffice und gehe jede Stunde mal so die Treppen im Haus rauf und runter (als Ausgleich für die fehlenden Wege zum Drucker) ..... ��
    Herzliche Grüße aus dem Sauerland nach Hamburg - Dein Balkon sieht sehr gemütlich aus
    Andrea

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  3. Ich muss demnächst die ersten Gespräche mittels Teams führen - du siehst, nicht nur du mutierst zum Nerd. Vielleicht gewöhnen wir uns ja daran und müssen auch in Zukunft nur noch selten das Haus verlassen. Wobei ich noch im Büro sitze. Inzwischen alleine, da mein Kollege von zu Hause arbeiten soll. Und ich muss auch nur noch an zwei Tagen dorthin. Damit bin ich wohl auch nicht alleine.
    Ich bin gespannt, wann wir wieder ein Stück Normalität haben. Ich fürchte, dass dauert noch. Soziale Netzwerke finde ich momentan etwas ermüdend. Die Leute haben zu Hause einfach zu viel Zeit....
    Lass es dir gut gehen
    Andrea

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  4. Insta inspirierte Quarantäne....soso :)
    Schön Dein Leinen, das macht mich ja immer verrückt wenns knittert. Aber das gehört dazu. Immer klasse zu lesen was anderen in solchen Situationen wichtig ist. Mir geht es da ähnlich wie Dir. Und ich merke grade ich hab keine Homewear nur Schluffi. Mist da kann ich bei Insta nicht mitspielen und nehm süße Lailafotos statt dessen :P
    Dein Balkon ist toll, Deine Möbel sehen urgemütlich aus. Das Outfit auch und ich mag das Shirt :)
    Liebe Grüße Tina

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  5. Genau, die stylische Insta-Quarantäne! Wobei ich von Stunde Null an (also ab dem Tag, als unser Landespapi Söder die Ausgangsbeschränkung ausgerufen hat!) der Meinung war, dass ich eher Gefahr laufe, mich auf dem heimischen Balkon anzustecken, wenn der Nachbar hustet, als wenn ich allein (mit der Freundin radeln geht hier in Bayern nicht, es sei denn, man zieht zusammen oder heiratet sie... tja, wie praktisch, wenn man eh keine Freunde hat :-)))) unterwegs auf Feld und Flur ist. Dieses ganze "Wir bleiben zuhause"-Gequatsche geht mir insofern auf den Senkel, als dass es ja gar nicht mal notwendig ist - es sei denn, man mischt sich draußen unter die Leute. Hab jedenfalls noch nicht gehört, dass man sich einsam beim Radeln durch den Wald mit Covid 19 angesteckt hat. Jetzt mal im Ernst. Was soll das???
    Deinen Post finde ich sehr unterhaltsam und Dein Outfit inkl. T-Shirt klasse - und Deinen Balkon auch!
    Liebe Grüße und schöne Feiertage in "Quarantäne"... Maren

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  6. Ja, ja die stylische Insta-Quarantäne. Meine ist auf jeden Fall seit Beginn ganz sicher nicht Insta tauglich. Bis auf die Gassi Ausflüge mit Hundi bin ich nicht wirklich viel außer Haus unterwegs. Schmuck brauche ich für meine Ausflüge am Nachmittag auf den Balkon auch nicht wirklich. Dein Beitrag, ist wie immer, wieder äußerst amüsant, das Outfit schaut trotz Knitterblazer super aus und um deine Balkonmöbel beneide ich dich fast. Aber nur fast, denn meiner ist dafür viel zu klein.
    Schöne Ostertage in "Quarantäne" und liebe Grüße
    Ursula

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  7. Deinen Beitrag fand ich wirklich sehr lustig, hast du toll geschrieben. Ich wünsche dir heute einen schönen Tag.
    Liebe Grüße
    Luisa von http://www.allaboutluisa.com/

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  8. Ich bin wahrscheinlich ein Exot. Ich habe weder mehr Zeit als sonst, noch mache ich groß andere Dinge.
    Ich habe keine Frühjahrsputz gemacht (ich hasse putzen), die Steuer liegt auch noch unberührt (ich hasse steuer), ich habe keine Kleiderschränke ausgemistet (ich hasse ausmisten).... ich will Dich nicht langweilen.
    Ich hatte eine Woche Urlaub. Schlafe länger, sandel herum, lese Zeitung, trinke Kaffee, ratsch mit meinem Vater, mache Spaziergänge, Gymnasik, blogge, suche Musik für Radiosendungen aus, überlege mir was es zu essen geben soll.
    Und guck dem Gras beim Wachsen und den Nachbarn beim arbeiten in ihrem Garten zu. Ich liebe den kondestreifenfreien Himmel, die Ruhe und die saubere Luft. Das ist genau richtig für mich und zeigt mir, dass meine Leben nur wenig störungsanfällig ist und dass ich für mich auf dem richtigen Weg bin.
    Und vielleicht könnte es den anderen auch nicht schaden. Andere Perspektive und so.
    BG, frohe Ostern und bleib gesund
    Sunny

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