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Das Spießer-Kostüm und ich



Eigentlich hatte ich ja gedacht, dass ich nie wieder ein Kostüm tragen würde. Und damit meine ich kein Karnevalskostüm, sondern die Kombination aus Rock und Blazer. Also quasi ein Hosenanzug ohne Hose, dafür mit Rock. Ältere Semester werden den Begriff vermutlich kennen. Kostüm – das klingt so herrlich spießig. Da denke ich doch spontan an einen Bleistiftrock und einen taillierten Blazer.

Das letzte Mal, dass ich ein Kostüm trug, war irgendwann Mitte der Neunziger. Es handelte sich, wie sollte es anders sein, um ein Vorstellungsgespräch, für Job Nummer zwei in meinem Leben. Von Job Nummer ein habe ich euch ja hier schon erzählt.


Ich hatte mich für einen Job als Redakteurin in Hamburg beworben und war zum Vorstellungsgepräch geladen. Hamburg kannte ich kaum, fand es aber sehr reizvoll, dort zu arbeiten und zu leben. Der Verlag war, anders als der Verlag, in dem ich in Düsseldorf gearbeitet habe, ziemlich hip. Wobei man das damals noch nicht hip nannte. Der Begriff war schlichtweg noch nicht geboren. Auf jeden Fall wollte ich zum Vorstellungsgespräch nicht in Jeans und T-Shirt erscheinen, sondern irgendwie seriös aussehen. Also griff ich zum dunkelblauen Kostüm. Taillierter Blazer, Bleistiftrock, weißes tailliertes Blüschen und natürlich Pumps. Herrje, kam ich mir verkleidet vor.


Angesichts der jungen Dame am Empfang kam ich mir noch richtig gekleidet vor. Als dann der Chefredakteur auf der Bildfläche erschien, wurde mir etwas anders. Er trug eine Jeans, die wirklich schon bessere Tage gesehen hatte, ausgelatschte Turnschuhe und ein T-Shirt mit schmucken Löchern. Als er mich sah, wurde ihm vermutlich auch etwas anders. Vielleicht hat er ja gemerkt, dass ich mich in meiner Verkleidung nicht wirklich wohl gefühlt habe. Vielleicht habe ich ihn durch Kompetenz beeinndruckt. Auf jeden Fall habe ich den Job bekommen – ganz sicher nicht wegen, sondern trotz des Kostüms.


Vom ersten Arbeitstag an trug ich übrigens Jeans, T-Shirt und Sneakers, die damals noch Turnschuhe hießen. Das Kostüm hing noch eine Weile im Schrank herum und wurde irgendwann entsorgt.


Inzwischen hat es einen Nachfolger gefunden. Der erinnert allerdings gerade mal in der Farbe an seinen Vorgänger aus den Neunzigern. Kein Bleistiftrock und kein taillierter Blazer, sondern ein kurzer Rock mit Seitentaschen und eine kurze Kastenjacke. Dazu eine Streifenbluse, die mächtig oversized ist und Boots.










Ob das jetzt spießig ist, überlasse ich eurem Urteil. Keine Ahnung, ob ich damit bei einem Vorstellungsgespräch auftauchen würde *grins* Aber vermutlich schon. Immerhin käme ich mir diesmal nicht verkleidet vor.


Liebe Grüße

Fran


Kommentare

  1. Gar nicht spießig. Würde ich auch so tragen. Mir gefällt es eh, wenn ich nicht immer in meiner "Arbeitsuniform" (Jeans, Sneaker und T-Shirt bzw. Hoodie) rumlaufen muss!).
    Das steht Dir klasse!
    Ich hatte auch ein paar Vorstellungsgesprächs-Fiaskos :-DDDD Nicht nur kleidungstechnisch. In der Jugendhilfe zieht man sich besser auch nicht zu schick an :-)))
    Liebe Grüße, Maren

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    1. Manchmal hätte ich gern eine Arbeitsuniform, dann wäre das Anziehen morgens einfacher... So greife ich eben einfach zu dem, wonach mir ist. Und es gibt Tage, da dauert das... manchmal nervt es mich. Wenn ich im Kostüm komme, werde ich allerdings regelmäßig verdächtigt, ein Vorstellungsgespräch zu haben *grins*

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  2. Wie gut, dass man sich heute nicht mehr verkleiden muss (musste man damals vermutlich auch nicht, aber da wusste man es nicht besser). Dein Kostüm finde ich jedenfalls überhaupt nicht spießig. Steht Dir super.

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Ich hätte wohl in jedem Aufzug erscheinen können. Aber wie du sagst: Man wusste es nicht besser.

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  3. Liebe Fran,
    sagen wir mal so: In den 90er Jahren war Nicole quasi die Übersetzung für Kostüm. Und ich habe es geliebt. Heute würde ich es so nicht mehr anziehen. Deine Form des Kostüms allerdings würde ich direkt nehmen 1:1. Und man sieht, dass auch du dich so wohlfühlst.
    Das 'richtige' Kostüm verbinde ich inzwischen mit Arbeitsuniformen. Immer noch schick, aber nicht soo lebenstauglich. Da bleibe ich dann lieber bei deiner Version. Und Kostümkostüme trage ich NIE.
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Ich habe es nach dem Studium eine Zeitlang mit "damenhaft elegant" versucht. Aber so wirklich gepasst hat das nie. Ich erinnere mich, dass ein Kollege, als ich erstmals eine Jeans plus Bluse trug, meinte "Das bist ja endlich du". Er hatte recht.

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  4. Sieht gut aus. In Dunkelblau sowieso.
    Ich hatte vor 1990 mal ein du.gl. Kostüm. Der Rock gut über dem Knie endend und schmal. Der Blazer sehr oversized. Ich trage ihn noch heute gern. Den Rock habe ich schon lange nicht mehr. Von Bleistiftröcken bin ich ganz ab. Ich habe zwar noch 1-2 rumgucken. Aber ich wüßte gar nicht wann ich die tragen solle. Aber kommt Idee. Kommt vielleicht auch wieder der Rock.
    BG Sunny

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    1. Bleistiftröcke sind mir inzwischen suspekt. Ich habe auch keine mehr. Aber wer weiß, vielleicht trage ich die ja irgendwann wieder?

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  5. cool, sehr cool siehst Du aus. Gar nicht spießig. Ich glaube vor hip sagte mal cool. Kann das ein?
    Ich verstehe dass Du Dich für ein Vorstellungsgespräch "verkleidet" hast. Das ist immer so eine Situation, die unberechenbar ist. Heute kann man manchmal schon online mal spicken wie sich das Team so gibt. Wenn man Glück hat. Man sollte einen "Späher" hinschicken vorher :))
    Okay gut dass ich mich nicht mehr bewerben will und Du hast ja Deinen Traumjob auch bekommen.
    Richtig toll siehst Du aus. Mir gefällt dass Du das Kostum mit dem Streifenhemd kombiniert hast. Danke für Deine guten Wunsche!♥
    Liebe Grüße Tina

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    1. Online spicken war damals nicht, leider. Und da der Verlag halt furchtbar cool war - der einzige Verlag, der damals in Deutschland Zeitschriften für Macs rausbrachte - hatte ich mit einem smarten, Werbeagentur-kompatiblen Chefredakteur gerechnet... So kann man sich täuschen :-)

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  6. WOW, was ein klasse Kostüm! Und du siehst toll aus darin, liebe Fran! Kurzer Rock und spießig - passen nicht zusammen! Super!
    Taillierter Blazer, Bleistiftrock, Pumps & Co, ich kenne diese "Uniform" sehr gut! Als ich mein Jurastudium abschloss, durfte ich vor Gericht keine Hosen tragen. Infolgedessen war dies lange Zeit mein "Kostüm", sowohl als Anwältin u. Staatsanwältin. Ich habe aufgehört, Tailleur zu tragen, als ich hier in Deutschland ankam.;)
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Danke, du Liebe :-) Du durftest vor Gericht keine Hosen tragen? Ich nehme an, das war in Brasilien? Durften nur Frauen keine Hosen tragen? Und wenn ja: Warum zur Hölle nicht?

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