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Meine Schmuddelecken und ich





Fast genau 13 Monate lebe ich jetzt hier, und ich liebe es jeden Tag. Nicht nur, weil ich Dorf gegen Großstadt getauscht habe und ich gleich drei Supermärkte habe, die ich zu Fuß innerhalb von fünf Minuten erreiche. Nicht nur, weil ich drei Minuten gehe, in die S-Bahn steige und in 10 Minuten in der Hamburger City bin. Und nicht nur, weil es hier trotz allem wunderbar ruhig ist und ich Wasser und Natur ohne Ende vor der Nase habe. Sondern auch, weil es hier einfach keine „Schmuddelecken“ gibt. Ihr wisst schon, diese Schubladen/Schränke/ganze Räume, in denen sich Dinge verstecken, von denen man gar nicht so genau weiß, dass sie da sind und wozu man sie braucht. Da, wo diese Dinge lagern, die man ja eventuell noch braucht…


Ein großes Einfamiienhaus hat viel Platz für solche Ecken. Ich sag nur: Keller UND Dachboden. Und beide waren gut gefüllt. Das ist vermutlich so, wenn man 20 Jahre lang mit ganz viel Platz für Dinge lebt, die man eventuell noch mal benutzen wird. Ein Babybett, eine Wickelkommode, der Kaufladen des Nachwuchses, ein Schreibtisch, der noch wunderbar ist – warum sollte man sich denn davon trennen, wenn mann doch genügend Platz hat, um das alles erstmal unterzubringen? Kann man ja vielleicht noch gebrauchen.


Was, wenn sich ganz plötzlich bei den 16-jährigen Töchtern Nachwuchs ankündigt und die haben kein Bett und keine Wickelkommode auf Vorrat? Ähem. Wie hoch die Wahrscheinlichkeit von Teenie-Moms ist, das habe ich nie recherchiert. Bisher ist kein Nachwuchs in Sicht und ich schätze, das bleibt noch eine Weile so. Und falls es dann doch irgendwann so weit ist, werden die künftigen Eltern vermutlich in der Lage sein, ein Bett und eine Wickelkommode nach ihrem eigenen Geschmack zu kaufen. Den Kaufladen werde ich wohl ebenfalls nicht mehr benötigen. Vermutlich wissen Kinder, die irgendwann nach 2030 geboren werden, ohnehin nicht mehr, wie so ein Laden funktioniert. Das ist bis dahin wie ein Telefon mit Wählscheibe für den heutigen Teenie. Ach ja, der Schreibtisch. Denn wollte das große Kind beim Auszug nicht mitnehmen. Es hat bis heute keinen Schreibtisch, sondern lernt an ihrem Esstisch. Schreckliches Kind!


Dann gab es noch drölfzig Kisten mit wunderbaren Dingen wie etwa altem Geschirr. Kann man bei einem Polterabend super gebrauchen. Ein ganzes Rudel alter Koffer, falls ich mal auswandern will. Kartons voller Deko, die seit langer, langer Zeit einfach nur herumstand. Möbel, die „noch gut“ sind. Und drölfzig andere Dinge. Und dann zieht man um. In eine Wohnung ohne Keller und ohne Dachboden, lediglich mit zwei Abstellräumen. Mit quasi null Platz für all diese Dinge, die man ja eventuell noch brauchen könnte - und die man in den letzten 20 Jahren nicht gebraucht hat und die man mit 99-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch nie wieder braucht.


Ihr ahnt nicht, wie schrecklich ich die Aussicht darauf fand, nun alles aussortieren zu müssen. Das wäre fast ein Grund gewesen, den Tausch Haus gegen Wohnung abzublasen. Und ihr ahnt nicht, wie befreiend es war, sich durch die Kellerräume und den Dachboden zu pflügen und alles auszusortieren, was ich nicht mehr brauchte. Das waren übrigens gut 90 Prozent von dem, was da so herumstand. Mit jedem Teil, das ich aussortierte, wuchs das gute Gefühl, den ganze Krempel endlich los zu sein. Ja, es war anstrengend, das alles loszuwerden. Einen Teil habe ich verschenkt – dank Online-Gruppen geht das ziemlich fix und komfortabel. Ein großer Teil landete auf dem Komposthof zum Recycling. Und jedes Stück, das weg ging, war sooooo befreiend!


Als Keller und Dachboden leer waren, kamen sämtliche Regale und Schränke in den Wohnräumen an die Reihe. Ich habe gnadenlos alles aussortiert, was ich nur behalten hatte, weil man es ja eventuell gegebenenfalls vielleicht noch einmal gebrauchen könnte. Und dann habe ich alles, was übrig blieb, sortiert. Und siehe da: Aus drei Kisten mit Schuhputzzeug, die an drei verschiedenen Stellen im Haus herumstanden, wurde eine Kiste. Aus einem großen Regal voller Werkzeuge wurden drei Kisten mit Dingen, die garantiert nicht mehr doppelt und dreifach vorhanden sind. Und sogar mein Näh- und Flickzeug passt inzwischen in eine kleine Kiste.





Mitgenommen habe ich nur das, was ich auch mitnehmen wollte. Und ja, ich war an so manchem Abend genervt von der Aufräum-Arie und hätte gern die gesamten Schrankinhalte in eine Kiste geworfen und mitgenommen. Heute bin ich heilfroh, dass ich es durchgezogen habe. Denn nach dem Umzug – bei dem sich das Umzugsunternehmen wunderte, wie wenige Kisten in den Laster mussten – blieben die meisten Schränke erstmal halb leer. Das macht nicht nur Spaß, sondern das macht es auch sehr einfach, künftig Ordnung zu halten. Und Dinge zu finden. Seitdem ich hier wohne, finde ich gewöhnlich alles, was ich suche, mit einem Griff. Und selbst die beiden Abstellräume sind ziemlich aufgeräumt. Immer dann, wenn dort trotz allem Unordnung ausbricht, weiß ich genau, dass ich mal durchsehen muss, ob ich das wirklich alles brauche.





Mindestens einmal pro Jahr wird nun, das habe ich mir fest vorgenommen, jeder Schrank, jedes Regalfach und jede Schublade inspiziert, damit sich Dinge, die „noch gut“ sind, aber nicht gebraucht werden, gar nicht erst einnisten. Bisher klappt das ganz gut. Die Abstellräume habe ich vor einigen Wochen einmal komplett durchsortiert. Im Januar ist die Küche dran. Glaubt es oder glaubt es nicht: Ich freu mich drauf. Zumindest auf das Ergebnis.


Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Ich mache das schon lange so (kleine Wohnung = wenig Stauraum) und mir geht's prima damit! Alles hat seinen Platz und wird nach Gebrauch gleich wieder dorthin geräumt, dann entstehen auch keine Chaosecken mehr.
    Dass es gut tut und befreiend ist, auszumisten, weiß ich also schon lange. Ist ähnlich wie beim Reisen. Nimmt man wirklich den großen Koffer und stopft ihn voll - oder vertrauet man drauf, dass man sowieso die Hälfte nicht anziehen wird, nimmt ein paar wenige Sachen und zieht zur Not das ein oder andere Teil mal durchs Waschbecken? Klare Entscheidung für mich.
    Liebe Grüße, Maren

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    1. Im Prinzip war mir ja lange Zeit klar, dass der Kram aufgeräumt gehört, unabhängig vom Platz. Aber ich gehöre eben zu denen, die mit viel Platz auch jede Menge Chaos anstellen - trotz Einsicht, dass das nicht sein muss. Der Schritt zum Tun hat halt gefehlt...
      Beim Reisen finde ich das einfacher. Ich nehme halt nur einen Handgepäckkoffer. Bisher bin ich noch nie heulend zusammengebrochen, weil ich nix zum Anziehen hatte ;-)

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  2. Liebe Fran,
    I feel you! Diese Kellergeschichte ist mir nur zu bekannt. Mal eben runterbringen, vergessen, lagern. Bei unserem Umzug haben wir auch wirklich rigoros aufgeräumt, ausgeräumt aussortiert. Alle Prophezeiungen, mir würden die Sachen fehlen: Nö. Und ich habe mir wie du vorgenommen, jetzt einmal im Jahr konseqent aufzuräumen. Das Jahr ist im Juni um- mal sehen. Aber es befreit ungemein und deshalb ist es toll, dass auch du es so angegangen bist.
    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Bei mir hat es tatsächlich bisher mit dem Ausmisten auch hier geklappt - aber es ist ja auch erst gut ein Jahr. Frag mich in fünf Jahren nochmal. Vermutlich sieht es dann anders aus... Wobei: Der Wohlfühlfaktor steigt ungemein, wenn diese Chaosecken einfach nicht da sind. Dann können sie einen auch nicht unverhofft anspringen, natürlich in unpassenden Momenten.

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  3. Beim letzten Umzug haben wir rigoros ausgemistet. War viel Arbeit aber sinnvoll. Deshalb kann ich gut nachvollziehen, dass du dir die Arbeit gemacht hast. Inzwischen hat sich schon wieder einiges angesammelt aber wir gucken regelmäßig durch und jetzt zu Weihnachten haben wir einen Teil verkauft/verschenkt oder weggeworfen. Trotzdem ist noch diverses da, was wir wahrscheinlich nie wieder benötigen. Aber im Februar werde ich noch mal ausmisten. Das ist der richtige Monat dafür. Dann werden ein paar Schränke wieder Ablageplatz haben :) Und an das Schuhputzzeug könnte ich auch mal denken, da schlummern sicher auch noch Schätzchen, die vertrocknet sind. Das mache ich jetzt sofort, sonst vergesse ich das wieder.
    Schöne Grüße
    Andrea

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    1. Aber irgendwie ist es schon schräg, dass man das wirklich nur dann macht, wenn man umzieht, oder? Wenn man also wirklich gezwungen ist, alles einmal in die Hand zu nehmen. Wie gesagt: Der Keller und der Dachboden waren organisch 20 Jahre lang gewachsen...

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  4. Ich bin hier gerade bei jemandem untergekommen, der auch solche milchig-durchsichtigen Kunststoffkisten hat. Kann man machen. Macht sicher sinn. Schön finde ich es allerdings nicht.
    Ich versuche einfach nicht so viel zu "kaufen"/mir mitbringen zu lassen. Denn wenn es noch gut ist, schäme ich mich es weg zu werfen. Ich hätte einiges günstig abzugeben, aber die Menschen sind so übersättigt.
    Also. Ich warte ab. Ich habe ja auch keinen Zwang auszumisten. Und wenn ich nicht mehr da bin, dürfen das andere gerne tun, wenn sie mögen.
    BG Sunny

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    1. Die Kisten wohnen im Abstellraum. Da muss es nicht unbedingt schön sein, da muss es übersichtlich sein. In den Wohnräumen mag ich die nun auch nicht stehen haben.

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  5. Hilfreich ist an einem Ort zu beginnen, an dem du sofort siehst, was du geschafft hast. Ich kann mich gut vorstellen, dass du richtig motiviert warst! Sei stolz darauf!
    Eines meiner Hobbys in den letzten Monaten ist Treppen laufen- die Kellertreppe runter und wieder rauf! Ich bin jetzt seit Monaten am Ausmisten und Aussortieren, aber mein Eindruck ist, dass ich nie fertig werde! Schwierig, ich glaube, ein extremer Minimalist werde ich nie werden! :)
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Das ist natürlich ein wunderbares Treppentraining! Und doch, man wird fertig. Es dauert und manchmal ist man kurz davor, alles hinzuwerfen. Aber man wird fertig!

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  6. Liebe Fran, das würde ich bei einem Umzug auch machen. Ich versuche immer wieder mal Schränke und Schubladen auszumisten. Das klappt gut. Dachboden ist bewohnt, aber der Keller ist voll und Göga nutzt 3 Garagen und ich sag da sind keine Autos drin. Sind aber voll. Schon sehr viel Zeug. Dann gibt es noch diesen ominösen Raum hier, unbewohnt neben dem Badezimmer. Das ehemalige Kinderzimmer ist jetzt eine Rumpelkammer. Vollgestopft, alles landet dort was man nicht braucht, es aber nicht so weit weg soll. Gerade bin ich wieder am ausmisten. Ich achte mittlerweile genau wenn ich was kaufe ob ich es auch wirklich brauche. Denn man hat es dann lange rumstehen. Da wäre die Nudelmaschine die nicht benutzt wird, der Dampfbesen...etc.
    Du machst das super und die transparenten Kisten finde ich in der Kammer etc. auch gut. Man sieht was drin ist.
    Liebe Grüße Tina

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    1. Eine Brotbackmaschine ist beim Umzug auch weggekommen und ein Reistopf. Der Kärcher für die Fenster liegt hier noch rum, der muss noch weg. Ich kann mit dem Ding keine Fenster putzen. Den will nur seit Monaten kein Mensch geschenkt haben. Die bringen den immer zurück, sobald sie ihn ausprobiert haben.

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  7. Ausmisten und Aufräumen ist sehr befreiend. Hab ich im letzten Jahr mit dem Dachstudio, welches auch mein Homeoffice ist, gemacht. Ein Keller oder anderweitiger Dachboden ist nicht vorhanden. Dafür eine "Rumpelkammer" , Garage und zwei kleine Schuppen im Garten. Immerhin passt in die Garage noch das Auto.

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Na, das klingt doch gut. Das Dachstudio ist definitiv besser genutzt. Der Raum wäre als Abstellkammer viel zu schade gewesen!

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