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Mein Mai: Warten…




Eigentlich liebe ich den Mai. Sehr. Aber in diesem Jahr wollte sich dieses Gefühl erst einmal nicht so recht einstellen. Gefühlt bestand der Mai aus vielen Tagen des Wartens. Darauf, dass es aufhört zu regnen. Darauf, dass der Frühling endlich beginnt. Darauf, dass endlich wieder ein bisschen Normalität einzieht. 14 Monate lang habe ich sämtliche Pandemie-Einschränkungen mit ziemlich viel Gelassenheit gesehen. Aber so langsam reichte es dann auch mir. Mit dem Regen und der Tatsache, dass ich meinen Kaffee ständig zuhause trinken musste anstatt im Café am See, wo die Stühle immer noch angekettet waren. Ich hätte ihn gern auch im Daunenmantel unterm Regenschirm getrunken ;-)


Also bin ich, wie im letzten Jahr, ganz oft durch Hamburg gestreift, kenne mein Stadtviertel inzwischen wie meine Westentasche und wurde das eine oder andere Mal richtig nass....






Immerhin haben sich die Bewohner Entenhausens jede Menge Mühe gegeben, um für Unterhalt zu sorgen. Frau Ente etwa hat nun schon den dritten Basilikum aus meinem Terrassen-Kräutergarten gefressen. Immerhin sind Rucola, Minze und Petersilie noch da. Inzwischen habe ich rausgefunden, dass sie Zitronen-Basilikum nicht mag. Ich aber :-) Dann war da noch ihre Schwipp-Schwägerin mit den beiden Küken, die täglich auf Besuch kamen. Im Schlepptau: Eine Gans, die sich rührend um die kleinen Entchen kümmerte. Inzwischen ist die Patchwork-Familie übrigens ein wenig kleiner geworden. Mutter Ente hat sich verkrümelt - die Freiheit rief wohl zu laut - und Frau Gans hat die Küken adoptiert :-) Es ist ein Bild für die Götter, wenn die Mini-Enten unter der Terrasse durchschwimmen und die Adoptivmutter kann nicht hinterher, weil sie zu groß ist. Dann zetert sie ohne Ende und die Küken kommen reumütig zurück.






Und dann waren da noch die Tage, an denen sich das Warten gelohnt hat :-) Denn der Mai hatte gar nich nur Regen und Sturm im Gepäck, sondern auch wunderbar sonnige Wochenenden, an denen man Ostsee und Außengastronomie erleben konnte. Beim ersten Kaffee samt Aperol habe ich mich noch gefühlt wie ein Verbrecher… und etwas zu Essen zu bestellen fühlte sich an wie eine Expedition zum Mond. Irre, wie exotisch ein einfacher Salat wird, wenn man ihn sieben Monate lang selbst zubereiten musste… ;-)








Kurz vor Pfingsten kam mein ganz persönliches Highlight: Die Erstimpfung. Als geradezu unverschämt gesunde Mittfünfzigerin, die ihren Arzt nun wirklich nicht auch noch nerven will, ist es nämlich gar nicht so einfach, einen Termin zu bekommen. Fragt mich nicht, wie andere das machen. Mir gelang es nicht. Und als Beschäftigte in der kritischen Infrastruktur stand ich dann auf der Warteliste auf einem Platz irgendwo zwischen 25400 und 25500 - für ein Impfzentrum, das 3500 Impfungen pro Woche schafft…. Yeah! Ich war in Mathe immer eine Niete, aber da war selbst mir klar, dass ich wohl erst nochmal schlafen gehen kann *grins*



Und dann kam das Angebot, doch ganz kurzfristig eine Tüte Astra zu bekommen. So schnell habe ich wohl noch nie „Hier“ gebrüllt :-) Mitte Juli gibt es die zweite Dosis und Anfang August darf ich dann auf den vollen Impfschutz hoffen und die „Wattestäbchen in die Nase“-Nummer endlich zu den Akten legen. Ehrlich: Ich freu mich unsäglich.








Worüber habe ich mich noch gefreut? Darüber, dass immerhin meine Blümchen auf der Terrasse den Dauerregen ganz nett fanden und die Temperaturen überlebt haben, inklusive des Blauregens, der gerade wunderschön blüht und in ein paar Jahren hoffentlich die gesamte Terrasse umrankt. Drinnen sieht es auch immer mehr nach Urwald aus, weil sich mein brauner Daumen scheinbar regeneriert hat und das Grünzeug mich echt liebt.





Und dann war da noch eine Entscheidung, die nicht einfach war, aber die mich im Kreis grinsen lässt. Gefühlt habe ich in den letzten fünf bis sieben Monaten eigentlich nur noch gearbeitet - die drei Monitore stehen da nicht, weil es toll aussieht….  Die Arbeit wurde immer mehr, die Arbeitstage immer länger und irgendwann war mein Job der erste Gedanke nach dem Aufwachen und der letzte vor dem Einschlafen. Und als auch Letzteres nicht mehr ging, habe ich die Reißleine gezogen und der Redaktionsleitung adé gesagt. Die Entscheidung, das zu tun, hat mich einiges an Überwindung gekostet. Aber letzendlich war mir die Entscheidung, endlich wieder selbst zu recherchieren und zu schreiben und nicht in Administration und Projektarbeit zu ersticken, wichtiger als ein Titel, der mir das „Ich bin total wichtig“-Schild umhängt. Und wisst ihr was? Mir geht es richtig gut damit und ich freue mich, mich nach meinem Urlaub endlich wieder in die Untiefen der Lokalpolitik begeben zu dürfen anstatt zu planen, zu projektieren und zu organisieren :-)


Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Ohoh super wenn Du Dich über Deine Entscheidung freust! Man ist ruck zuck in so einer Arbeitsspirale. Ich hab das auch grade. Ich bediene gleichzeitig zwei Arbeitsplätze und hab mit einer Kollegin die Impfplanung/ orga an mich gerissen... oder überhaupt begonnen. Morgens gehe ich früher zur Arbeit, weil ich eh keine Ruhe hab Zuhause, die Gedanken! Abends Zuhause auch so und in der Mittagspause. Nicht mal das dümmstenTV
    programm lenkt mich noch ab. Einschlafen...? Du weißt es. Nachts Träume? Du kannst ahnen! Ich bin stolz auf Dich Fran!
    Ich hab noch den Freitag und dann erstmal Urlaub. Am Freitag werden wir dann über 1200 Impfungen liegen und wenn ich wieder vom Urlaub da bin, werden wir das ein wenig herunterfahren um einen Rhythmus zu bekommen und wieder ein normales Leben. So gehts nicht auf Dauer.
    ich dachte nur ich kenne das, aber jetzt erkenne ich die selben Anzeichen.
    Aber Dein Mai hats geschafft! Das Warten hat gelohnt. Impfung und Café sitzen draußen! 😁 Ich hab Dich soooo gefeiert Fran! Genieß Deinen Urlaub, das Wetter dürfte super sein! Ach und wie süß bitte ist die Geschichte aus Entenhausen bitte! 😂
    Liebe Grüße Tina

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    1. Genauso wie dir ging es mir auch - seit Monaten und keine Besserung in Sicht. Eher wird es schlimmer, weil mehr Arbeit für weniger Köpfe. Und es gibt Dinge, die möchte ich einfach nicht als machbar verkaufen...
      Pass bloss auf dich auf! Irgendwann betrachtet der Rest der Welt das Engagement als normal und dann sitzt man tief in der Patsche. Ich bin da jetzt raus und genieße erstmals seit einem halben Jahr Urlaub, ohne zwischendurch zu arbeiten. Fühlt sich gut an :-)

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    2. Oh jeh Du hast recht, da sitzt man dann echt in der Patsche. Kurz was mal alles ruhig, als sich jemand wegen dem Impfen beschwert hat, als ich sagte wenn sie so weiter machen würden wir nicht mehr impfen.... mein Chef würde das sofort unterstützen, wenn wir das nicht mehr wollten.
      Aber he ich habe den ersten Tag Urlaub heute und kaum an die Praxis gedacht. Gutes Zeichen oder?
      Liebe Grüße Tina

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  2. Ja, manchmal muss man einfach Dinge machen, um zu wissen ob man sie wirklich machen will und kann. Die Redaktionsleitung war sicher eine interessante Erfahrung. leider bleibt bei mir mit 28 h und einem 13 Köpfigen Team keine Zeit mehr, selbst kreativ zu zu sein. MA Führung und Förderung, Strategiebesprechungen, Deeskallationsgespräche, Planung und Controlling. Wann willst da noch arbeiten. ;-)
    Und gerade mit dem Homeoffice fällt es mir sehr schwer einen gedanklichen Punkt zu finden. Ich sitze ja hier immer auf dem selben Platz. Zum Essen wechsle ich tatäschlich mutwillig den Stuhl und zum privaten Serven den Laptop. Es ist ja nicht so, dass ich nicht gerne arbeite. Aber ich freue mich dazu auch mal ins Büro fahren zu dürfen. Auch wenn ich mich früher über die 2,5h Weg geärgert habe. Es hat durchaus Vorteile.
    BG ich freue mich mit Dir über die Impfung
    Sunny

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    1. Genau so war es. Für Kreativität blieb keine Luft. Das Homeoffice ist dabei kein Problem. Ich kann überall arbeiten :-)

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  3. Ah, dann ist es nun Urlaub und Neubeginn. Das hat ja auch viel Erfreuliches.
    Schön wäre es ja, wenn Deine Erfahrungen in der Redaktionsleitung einfließen könnten in die neue Leitung. Du hast ja Vieles reflektiert und da ist sicher nicht nur alles persönlich, sondern auch einiges strukturell zu sehen.
    Auf jeden Fall hat so ein Wartemonat wie dieser Mai doch zu erstaunlich viel Resultaten geführt.
    Schönen Urlaub wünscht Sieglinde

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    1. Ich bin gern bereit, meine Erfahrungen zu teilen - an mir soll's nicht liegen :-)
      Dass ein Wartemonat zu solchen Ergebnissen führt, ist vermutlich normal. Ruhe vor dem Sturm oder so...

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  4. Liebe Fran,
    manchmal ist einem das Glück hold- siehe Impfung und ich freue mich mit dir.
    Ich mag Menschen wie dich, die Verantwortung übernehmen wollen, starten, das Ganze sicher sehr gut machen, aber für sich feststellen, dass das nicht ihre Erfüllung ist. Für mich ist das Größe und Selbstachtung. Deshalb gratuliere ich dir zu der Entscheidung. Wenn der Preis für etwas zu hoch ist, dann ist es nur richtig, sich vom Titel zu verabschieden.
    Dass du eine sehr gute Journalistin bist, davon gehe ich fest aus.
    Ja ja, die Enten. Feinschmecker, Rabenmutter, manchmal streitlustig. Da hat sie ihre Kinder in der Gänseklappe gelassen. Natur...
    Ich freue mich mit dir über Verbrechersalat, Aperol mit Cappuccino, Freude und einem trotz miesen Wetters schönen Mai.
    Und eine gewisse Fran hat gesagt, dass das Wetter jetzt wird. Da bin ich dabei.
    Liebe Grüße, einen weiterhin schönen Urlaub,
    Nicole

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    1. Es ist nur ein Titel. Der macht aus mir ja keinen anderen Menschen. Die Zeiten, in denen ich sowas brauchte, sind lange vorbei - Gottseidank ;-)
      Ich glaube, das Entenküken hat die richtigen Eltern gewählt. Enten sind nämlich echt strunzdumm...

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  5. Gut, dass Du die Reißleine gezogen hast. Solche immensen Belastungen enden oft im Burnout. Das ist es auf keinen Fall wert.

    Die Enten sind einfach zu süß. Besser als Kino ♥

    Liebe Grüße Sabine

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    1. Ja, die Gefahr eines Burnouts habe ich auch gesehen. Und soweit wollte ich es nun wirklich nicht kommen lassen. Das ist es nicht wert.

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  6. Das Wichtigste an unseren Entscheidungen ist, dass wir mit ihnen zufrieden sind und auch, dass wir diese Entscheidungen nicht bereuen – der Rest regelt sich.
    Ich verfolge deinen Urlaub auf Instagram und genieße all die wundervollen Fotos!
    Liebe Grüße und weiterhin einen schönen Urlaub,
    Claudia

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    1. Der Urlaub war sooooo schön. Er hätte gern länger dauern dürfen :-)

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  7. Liebe Fran,
    ich kann sehr gut nachvollziehen, wie es ist einen bewussten Schritt rückwärts zu tun. Gleiches habe ich vor knapp einem Jahr auch gemacht und den Manager Titel in den Wind geschossen. Und es hat mir ganz wunderbar gut getan, auch wenn meine Mutter nicht mehr so mit meiner Visitenkarte angeben kann. Ich ziehe meinen Hut vor Deinem Mut!
    Ansonsten war der Mai schon ein bisschen für die Füsse...aber....es geht bergauf. Die Zeit des Wartens hat bald ein Ende. Die Zeit, um Außergewöhnliches, das früher ganz normal war, zu feiern, beginnt gerade jetzt. Wir gehen aufregenden Zeiten entgegen.
    Einen wunderschönen Sonntag!
    Einen schönen Sonntag für Dich.

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    1. Hihi, das mit der Mutter kommt mir bekannt vor. Allerdings ist meine Mutter vor einigen Jahren gestorben - da ist die Sache mit der Visitenkarte also nur noch mein ureigenstes Problem *grins*

      Aufregende Zeiten - das stimmt. Ich reserviere gleich einen Tisch in einem tollen Restaurant für Freitag und freu mich wie ein Schnitzel :-)

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  8. :-) Liebe Fran,
    das sind ja Neuigkeiten! Gratulation zu Deiner Entscheidung. Ich wünsche Dir, dass Dein Leben wieder etwas mehr Normalität bekommt und Du Zeit für Dich und Deine Reisen findest.
    Schönen Sonntagabend und liebe Grüße
    Claudia :-)

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    1. Erstmal abwarten, bis das Impf-Ding Anfang August endgültig durch ist und was Delta bis dahin macht. Aber Reisepläne hätte ich genug :-)

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