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Urlaub in Corona-Zeiten



Eigentlich hatte ich ja überlegt, meinen Urlaub im April, in dem ich eigentlich nach England wollte, in den Herbst zu legen. Dummerweise geht die Rechnung nicht auf, wenn das alle meine Kollegen tun. Dann wäre die Redaktion ab Oktober wohl leer und ob unsere Leser das so toll fänden, wage ich zu bezweifeln. Also haben wir uns darauf geeinigt, den Großteil des Urlaubs so zu nehmen wie geplant und lediglich einen kleinen Teil in den Herbst zu schieben. Urlaubsreif war ich ohnehin. Also Augen zu und durch: Urlaub in Corona-Zeiten.

Und was soll ich sagen? Es war einer der entspannendsten Urlaube, die ich je hatte. Ich war viel unterwegs, allerdings statt mit dem Zug in Nordengland eben mit dem Fahrrad in Hamburg. Ich habe dank des wunderbaren Wetters meinen Milchkaffee am Morgen, am Mittag und am Nachmittag auf der Terrasse in der Sonne genossen und ich habe die Lockerungen tatsächlich für einen Bummel durch die Innenstadt genutzt. Ja, genau. Ich war einer dieser in den sozialen Medien der letzten Tage diskutierten,höchst verwerflichen Menschen, die sich in der City angeblich stapelten. Stapeln ist allerdings wohl das falsche Wort. In der Hamburger City sah es am Dienstagmittag nämlich genau so aus:


Gähnende Leere. Wer auch immer die Mär von der überquellenden Haupteinkaufstraße in die Welt gesetzt hat, der war definitiv nicht am Dienstagnachmittag in Hamburg. Viele Läden hatten wieder ihre Türen geöffnet. Drinnen war in der Regel niemand. Was mich dahin getrieben hatte? Eine Portion Neugierde natürlich. Der Wunsch nach ein bisschen Normalität und ein Milchaufschäumer. Meiner war nämlich vor einigen Wochen in die ewigen Jagdgründe eingegangen. Ich war zwar tatsächlich über meinen Schatten gesprungen und hatte so ein Ding beim großen A bestellt. Angekommen ist es nie. Vermutlich ist ein Milchaufschäumer nicht systemrelevant. Er ist aber Fran-relevant. Also habe ich die Urlaub und geöffnete Läden genutzt, um einen neuen Aufschäumer zu besorgen. Meine Neugierde war also befriedigt, Normalität war eher nicht zu spüren, aber immerhin war der WMF-Laden geöffnet und die Damen dort haben sich zumindest über ihren einzige Kunden gefreut. Und weil ich schonmal da war, habe ich für das kleine Kind noch eine Riesenportion vegane Gummibärchen und für mich eine neue Bluse erstanden.


Und nein, ich fand mich jetzt nicht sonderlich verwegen oder hatte gar ein schlechtes Gewissen. Ich denke, wir werden noch lange Zeit, und damit meine ich bis weit ins nächste Jahr hinein, mit dem Virus leben müssen. Den Ausnahmezustand der letzten Wochen können wir unmöglich so lange aufrecht erhalten. Also werden wir alle Strategien entwickeln müssen, damit zu leben. Die Normalität, die wir bis Anfang März kannnten, wird es ohnehin für lange, lange Zeit nicht geben. Und ein Jahr lang zuhause bleiben wird wohl für die wenigstens in Frage kommen. Solange die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden - und das wurden sie in der Hamburger City sogar am Hauptbahnhof in weit höherem Maße als in jedem Supermark, in dem ich in den letzten fünf Wochen war - wird es eben so gehen müssen.


Aber zurück zum Urlaub: Ich habe ausgiebig Terrasse und Balkon genossen, aber auch die eine oder andere Radtour gemacht, um meine nähere und weitere Umgebung ein bisschen unter die Lupe zu nehmen. Kreuz und quer durch den Hafen, in die Hafencity und die Elbe entlang und ich habe einfach tolle Ecken entdeckt, die ich noch nicht kannte. Am meisten hat es mir der Industriehafen angetan. Alte, halbverfallene Hafenschuppen neben hochmodernen Gebäuden, große Kräne und noch größere Schiffe und ein Hafenmuseum, das ich unbedingt noch einmal besuchen muss, wenn es wieder geöffnet ist - darauf freue ich mich schon. Mein Outfit für solche Ausflüge ist eher praktisch. Meine viele Jahre alte Lieblings-Sommerhose schützt vor allzuviel Sonne, ist aber dank ihrer Weite irre bequem und macht jede Radtour mit. Ja, sie knittert fürchterlich. Aber das ist meinem Fahrrad ziemlich egal. Was für 99 Prozent der Menschheit ein T-Shirt ist, ist für mich eine Bluse dazu. Und dann noch eine Jeansjacke rüber, weil der Wind hier ganz schön pfeift. Ok, eine Lederjacke hätte wohl auch gepasst und mich vermutlich weniger quadratisch aussehen lassen als die Oversize-Jeansjacke zur Oversize-Hose. Egal, ich mag das Outfit trotzdem. An den Füßen selbstverständlich Sneakers.





Nun ja, die Haare sind dank Corona nicht schön, sondern windzerzaust und reichlich lang. Das ändert sich Mitte Mai. Knapp drei Wochen muss ich also noch mit der irren Matte leben, dann darf sich endlich wieder ein Fachmann daran austoben. Und ich. weiß, dass viele auch die Öffnung von Friseuren für zu früh halten. Ich nicht. Wenn die Matte noch ein paar Wochen länger wachsen dürfte, würde mich das wahnsinnig machen. Kurzhaarschnitte haben also Corona-bedingte Nachteile… :-)

Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Ich habe heute den örtlichen Buchhändler unterstützt. Ist wichtig, auch wenn es mehr Zeit kostet. Hier auf dem Land ist es auch überschaubar vom Publikum in der Stadt. Gut für die Gesundheit, schlecht für die Einzelhändler. Und ich gebe dir Recht: Corona wird uns noch lange begleiten, so lange können wir nicht alles schließen, das überlebt weder der Einzelhandel noch die Wirtschaft. Und dann ist auch nix mehr da, was die Leute unterstützt. So sieht die Realität aus. Was mich ärgert, sind undisziplinierte Menschen in dieser Zeit. Manchmal müssen wir anstehen, da kann auch niemand etwas dafür, am wenigsten die Verkäufer. Zum Glück sind das eher die Ausnahmen.
    Ich bin gespannt, wie mein nächster Urlaub wird, ich schätze, er findet am Bodensee statt. Immerhin :)
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Ich nehme mir immer die Karwoche frei. Das war heuer nicht anders. Ich genieße die Woche immer sehr. Mit Zeit vertrödeln. Muss auch mal sein.
    Jetzt warten wirs ab, wie das weiter geht. Ich hoffe die Leute bleiben weiterhin vernünftig. Die Zahlen in München entwickeln sich gut. Ich hoffe das bleibt so.
    BG und bleib gesund
    P.S.: Gratuliere zum Milchschäumer. Ohne Milchschaum würde mir der Kaffee auch nur halb so gut schmecken.

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  3. Schön dass Du Dir es hast gut gehen lassen in Deinem Urlaub. Ja wir werden wohl nicht alle den Urlaub im Herbst nehmen können. Dann würde ja wieder alles still gelegt sein. ;)
    Ich war tatsächlich noch nirgends seit der Lockerungen, aber ich hab ja auch keinen Urlaub und der Milchschäumer funktioniert noch. ;) Da fühl ich übrigens vollkommen mit Dir. Was für ein Glück hatte das Geschäft jetzt geöffnet. Ich bin froh dass Du Fotos zeigst, ich hab auch was von überfüllten Städten gelesen und es natürlich gegelaubt. Aber das hier sieht außerst ruhig aus.
    Ich harre der Entwicklungen. Letzte Woche hatten wir keinen neuen Fall von Covid bei unseren Patienten, allerdings stehen zwei Tests noch aus.
    Es stimmt wir können nicht ewig Zuhause bleiben. Ehrlich da möchte nicht mal ich über meinen Gemütszustand nachdenken und ich bin sonst auch viel und gern daheim. Allerdings sind mir meine 6 Wochen Urlaub im Jahr eigentlich heilig und die muss ich weg, sonst ist es kein Urlaub. Das hält mich am Leben, nicht das TV Programm.
    Dein Outfit ist natürlich überaus ideal für eine Tour durch und um die Stadt. Zu Fuß und mit dem Rad :)
    Liebe Grüße Tina

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  4. Ich war seit gefühlten Ewigkeiten nicht mehr in der Münchner Altstadt, aber in Bayern lässt man sich ja Zeit mit sämtlichen Lockerungen... aber ich hätte gar kein Problem damit, irgendwo rein zu gehen, in ein Geschäft oder so. Ich halte mich eh soweit an die Regeln, aber man kann die Menschen ja nicht ewig einsperren, selbst in Bayern nicht :-) Und ab Montag haben sowieso alle Jugendhilfe-Einrichtungen wieder geöffnet (also wir auch). Tja, Mindestabsatnd einhalten und Hygiene-regeln sind dann wohl eh ad acta :-)))
    Gratuliere zu Milchschäumer! Haare sehen wild, aber auch irgendwie cool aus!
    Liebe Grüße, Maren

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  5. So sieht unser Plan für den Urlaub im Juni auch aus. Da ist schon der dritte Zuhauseurlaub in den letzten drei Jahren ist, weiß ich dass uns nicht langweilig wird. Es gibt immer was zu entdecken. Das Hafengelände würde mir auch gefallen, eine sehr fotogene Gegend. Was ich mir wünsche, wären ein paar Tage am Meer. Egal wann, von mir aus auch im Dezember.
    Was wäre ein Sommer ohne Jeansjacke? Undenkbar.
    Liebe Grüße Sabine

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  6. Ich sehe ähnlich auf dem Kopf aus wie Du. Kommentar meines Mannes zu meiner Sorge, dass ich lange Haare bekomme, wenn das noch lange so weiter geht: Corona hat nicht nur Nachteile. Am 5.5. steht mein Erlösungstermin an!

    Urlaub in der eigenen Stadt ist dann schön, wenn man wirklich etwas unternimmt, wie Du es gerade gemacht hast. Wir haben das im September nach der Harzwoche gemacht und fanden es auch klasse. Wird in diesem September dank Corona und leerer Kasse bei mir wohl wieder so sein. Aber wenn man sich schöne Ausflüge vornimmt, mag ich das.

    Umsatz im lokalen Einzelhandel habe ich Montag tatsächlich auch gemacht. In meinem Stadtteil gibt es einem Outdoorladen mit wenig Ware, die aber genau die richtige ist. Ich war die einzige Kundin im Laden und habe mir leichtere Wanderschuhe für Frühling und Sommer gekauft, weil ich keine passenden Sneaker finde (sind alle zu schmal). Die machen mir täglich Freude auf der großen Hunderunde und ich habe auch kein schlechtes Gewissen deshalb. Wäre der Laden voll gewesen, wäre ich weiter gegangen.

    Schönen Sonntag wünscht Dir
    Ines

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  7. Der Urlaub ist soooo wichtig. Gut, dass Du ihn genommen hast. Wei weiß, wann man überhaupt wieder ins Ausland reisen kann. Das Wetter war bombe die letzten Wochen. Ich glaube, die Baumärkte sind mehr belagert als die kleinen Geschäfte in den Innenstädten. Langfristig können wir nicht alle permanent zu Hause bleiben. Irgend einen Kompromiss müssen wir finden.

    Mein Frisörtermin steht auch schon fest.

    Liebe Grüße Sabine

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  8. Das ist ja toll, Lockerungen, Urlaub und schönes Wetter! Eine kleine (hoffentlich nicht kurze!) Erholung tut uns gut! Das freut mich auch für die Kaufleute. Hoffen wir mal, dass das gut geht...
    Liebe Grüße,
    Claudia

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