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Drachenfest in Travemünde


Ungefähr alle sechs Wochen brauche ich eine Dosis Seeluft. Als gebürtige Münsterländerin habe ich zwar keine Ahnung, woher ich diese Eigenart habe, aber es zieht mich regelmäßig ans Meer. Und wenn ich kein Meer kriege, kann ich grantig werden. Die Elbe reicht dann nicht, der Hamburger Hafen auch nicht. Ich will Meer. Und zwar regelmäßig. Der Rest der Familie kennt diese Marotte und hat sich damit abgefunden ;-) Was lag also näher, als den Tag der deutschen Einheit nicht auf dem Sofa zu verbringen, sondern an der Ostsee? Die Wetterprognose klang zwar nicht wirklich großartig, aber kinderfreie Tage muss man ausnutzen. Die Damen weilten nämlich in Paris und feierten den 17. Geburtstag von Tochter, groß, vermutlich im Sephora.

Diesmal ging es in Richtung Travemünde. Ich mag Travemünde. Timmendorf mag ich nicht. Das liegt vermutlich daran, dass Timmendorf sich für den „besseren“ Teil der Lübecker Bucht hält. Wenn ich an der Ostsee bin, brauche ich als allererstes ein Fischbrötchen. Immer. In Timmendorf isst man aber keine banalen Fischbrötchen, da geht es etwas feiner zu. Also bin ich schon seitdem ich im Norden lebe, im Team Travemünde. Travemünde ist bodenständig, da gibt es sogar einen Fischereihafen. Und frischer sind die Fischbrötchen eigentlich nirgends.




Außerdem ist Travemünde wirklich schön. Wenn man die Bausünden ausblendet. Das fällt zwar bei dem wirklich gruseligen Maritim-Turm direkt an der Strandpromenade schwer. Aber ich kann das inzwischen perfekt. Dieser Turm hatte früher mal immerhin ein Café im oberen Stock, aus dem man einen spektakulären Ausblick hatte. Das Café gibt es seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Im Prinzip kann das Ding wirklich weg. Genauso wie manche 70er-Bausünde in der eigentlich wunderhübschen Straße längs der Trave. Aber das eine oder andere wunderbare alte Haus findet man auch hier. Und die irren Treppengiebel versöhnen einen dann auch mit den Neubauten nebenan.



In einem dieser alten Häuser findet man übrigens das Café Lichtblick. Der Kuchen ist superlecker, der Service irre nett und außerdem kann man jede Lampe im Café kaufen. Irgendwann kommt der Tag, an dem ich einen Kronleuchter da rausschleppe. An diesem Tag wird mein Mann nicht dabeisein. Der mag nämlich keine Kronleuchter. Bisher lässt er mich nicht allein nach Travemünde. Er weiß genau, warum. Aber eines Tages.... :-)




Leider kam an diesem wunderschönen Tag, der sich dankenswerterweise nicht an die Wetterprognose hielt, halb Norddeutschland auf die großartige Idee, nach Travemünde zu fahren. Immerhin haben wir den Altersschnitt wieder mal gesenkt. Und festgestellt, dass wir das in 15 Jahren voraussichtlich nicht mehr schaffen werden. Bis dahin müssen wir einen anderen Lieblingsort an der Ostsee gefunden haben, in dem der Altersschnitt höher liegt *grins*. Boltenhagen hat da gute Chancen, nehme ich an. Allerdings hat Boltenhagen einen anderen Fehler. Jedesmal, wenn wir dort hin fahren - und wir waren immerhin schon zweimal da - kriegt mein Mann ein Knöllchen für zu schnelles Fahren. Das wurmt ihn. Beim nächsten Mal fahre halt einfach ich.





Zurück nach Travemünde: Es war voll. Und noch voller. Am vollsten war es dann an der Strandpromenade. Der Grund war mit einem Blick zum Himmel schnell gefunden: Drachenfest. Dutzende von Drachen flatterten im Wind, einer größer und bunter als der andere. Ein toller Anblick. Blauer Himmel, bunte Drachen, der breite Strand, im Hintergrund das Meer und viele, viele Segelboote. Hach. War das schön. Da waren dann auch schon fast die vielen Menschen egal. Wenn ich im November wiederkomme, sind die sowieso alle weg. Und dann habe ich Travemünde wieder fast für mich allein :-)

Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Moin Fran,
    danke für deinen schönen Ausflugsbericht, der doch glatt Fernweh bei mir weckt. Das vergeht allerdings ganz schnell, wenn mir dann bewusst wird, für mein Meerweh sitze ich dann mindestens 8 Stunden im Auto. Lange Autofahrten sind so gar nicht meins. Aber vielleicht wird das Meerweh zur Ostsee ja irgendwann mal so groß, das ich die lange Fahrt in Kauf nehme ;). Liebe Grüße und einen entspannten Sonntag Ursula

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    1. Acht Stunden sind sehr lang.. Ich musste viele Jahre lang vier bis sechs Stunden fahren und habe das ungefähr dreimal pro Jahr gemacht. Dafür dann aber immer mehrere Tage lang. Bei acht Stunden würde ich wohl verzichten und würde mir einen großen See suchen ;-)

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  2. Beim lebensnotwendigen Seeblick sind wir uns völlig einig. Nach dem letzten Ausflug nach Travemünde an Neujahr waren wir uns aber wieder mal einig: ist nicht unser Ort. Das Publikum ist deprimierend alt und wir essen beide keine Fischbrötchen. Mir ist es auch zu sehr Bucht und zu wenig offener Meerblick. Unser Favourit seit 2015 ist Niendorf. Schöne Promenade direkt hinterm Strand mit Blick darauf und unprätentiös.

    Auf den nächsten Ausflug!

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    1. Jup, das Publikum ist alt dort. Nicht ganz so alt wie in Boltenhagen, aber tatsächlich alt. In Niendorf war ich vor 20 Jahren zum letzten Mal, glaube ich. Vielleicht sollte ich mir das mal wieder ansehen. Unprätentiös klingt nämlich gut :-)

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    2. Mach das mal. Das hat sich gut gemauert und ist trotzdem entspannt.

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  3. Sehr hübsche Bilder. Obwohl ich lange im Norden gewohnt habe, war ich noch nie in Travemünde. Schade eigentlich, wenn ich die Bilder so sehe.
    Deine Liebe zum Meer kann ich gut nachvollziehen, das ist ja auch was tolles.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Ihr habt als Ausgleich einen wesentlich kürzeren Weg bis zum Mittelmeer :-) Travemünde ist definitiv nicht der Nabel der Welt. Aber ich finde es hübsch und es ist die nächste Möglichkeit, aufs Meer zu gucken.

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  4. Meer muss bei mir auch ab und zu sein, aber da ich an der Ostsee aufgewachsen bin und die Nordsee erst seit 2010 erkunde, zieht mich aktuell dort mehr hin. An der Ostsee mag ich ihre Beständigkeit, bei der Nordsee geht ja nix ohne einen Blick in den Tidenkalender. Deine Fotos sind ganz wunderbar, ich könnte stundenlang Himmel und Masten begucken. Liebe Sonntagsgrüße - Bärbel

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    1. Hihi, ich musste als Teenie immer an die Nordsee - ostfriesische Inseln rauf und runter und den Tidenkalender immer im Blick. Inzwischen mag ich die Ostsee einfach lieber. Da ist immerhin immer Wasser zu sehen ;-)

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  5. Ich war mal urlaubstechnisch in der Nähe von Brighton und dort lebten wir in einem Hotel, aus dessen Fenster man das Meer schon sehen konnte. Zu Fuß waren es dann nur knapp 5 Minuten bis dorthin. Das war toll. So würde ich gerne öfter "wohnen". Am "ans Meer fahren" von Lüneburg aus hindert mich meistens die Aussicht auf ebenjene wahnsinnig vielen Menschen, die die gleiche Idee haben, man kaum oder nur überteuerte Parkplätze bekommt und dass sich vor allem bei gutem Wetter diese "gute Idee" schon auf den Straßen auf dem Weg dorthin in Form von Staus deutlich zeigt. Das nervt mich so sehr, dass ich es meistens einfach sein lasse, ans Meer zu fahren. Aber ich mag es. Sehr gern sogar. Ob ich es allerdings im November auch noch so sehr mögen würde, weiß ich ja nicht ...

    Deine Bilder sind wunderschön. Das Schwein ist der Knaller!!!

    Liebe Grüße
    Gunda

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    1. Ein Haus, von dem aus man das Meer sieht - das wäre mein Traum als Altersruhesitz. Da hätte ich dann aber gern den Atlantik oder das Mittelmeer ;-)
      Parkplätze sind in Travemünde unproblematisch. Die haben genug davon, überteuert sind sie auch nicht. Und wenn man Schleichwege fährt, vermeidet man auch den üblichen Stau auf der A1. Im November ist es toll da. Dann ist da nämlich kein Mensch mehr und erstmal richtig durchpusten lassen und dann eine heiße Schokolade mit Blick auf Strand - das ist richtig schön :-)

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  6. Oh so eine Dosis Meer ist einfach herrlich. Ich muss gut 4-5 Stunden fshren, das ist nicht so leicht. Deshalb freue ich mich gleich doppelt über Deine tollen Fotos. Himmel war der Himmel blau :) Herrlich. Die Drachen sind ja obercool !
    Wünsche Dir einen schönen Abend, ganz liebe Grüße Tina

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    1. Das ist einer der Gründe, warum es mich damals wirklich gefreut hat, als es mich beruflich nach Hamburg verschlug. Da kann man eben mal nach einer Stunde Fahrt aufs Wasser gucken :-)

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  7. Ich beneide dich das du so nah am Meer wohnst, bei mir sind es schon einige Stunden bis ich mal eine frische Brise erhaschen kann! Ich wohne im tiefsten Ruhrgebiet und egal in welche Richtung ich mich bewege - es dauert! Deshalb freue ich mich über deine tollen Bilder! Lieben Gruß Patricia

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    1. Stimmt, es dauert. Ich erinnere mich an die Fahrten von Düsseldorf aus bis an die Ostsee. In Wildeshausen-West war Halbzeit. Damals noch im Käfer - das war echt Stress...

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  8. :-) Posts vom, im und vor'm Wasser kannst Du jederzeit bringen.
    Das fehlt mir hier in südlichen Gefilden nämlich sehr. Die Donau reicht mir nicht.
    Und das fliegenden Schweinchen würde ich hier auch bei Wind und Wetter steigen lassen (sofern ich es in die Luft bekomme). Ziemlich klasse!
    Ja, und Deine Jacke gefällt mir auch sehr gut, sieht so richtig schön kuschelig aus.
    Schönen Abend und liebe Grüße :-)

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