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Zehn Tipps zum Packen für einen Städtetrip

Alles, was mit soll, kommt vor dem Packen an die Kleiderstange zur Begutachtung.

Kofferpacken - die einen lieben es, die anderen hassen es. Früher gehörte ich zur zweiten Gruppe. Da „durfte“ ich aber auch noch die Koffer meiner Kinder packen. Denen war es zwar herzlich egal, welche ihrer T-Shirts drin landeten. Aber sie schleppten aus den letzten Dingen der Kinderzimmer gern absolut unentbehrliche Dinge an, die dringend mit in den Urlaub mussten. Conny-Hörspielkassetten etwa. Oder die Kaufladen-Kasse, ohne die ein Leben nicht lebenswert ist. Oder Bäri. Bäri ist der Teddy, den Kind, klein, zur Geburt von den Großeltern bekam. Bäri ist knapp einen Meter groß. Bäri musste immer mit in den Urlaub. Bäri passte in keinen Koffer. Kind, klein, schwor also, ihn selbst zu tragen. Falls ihr Euch bis vor sechs oder sieben Jahren auf einem Flughafen im In- oder Ausland eine völlig entnervte Frau gewundert habt, die einen ein Meter großen Bären im Sommerkleid mit sich herumschleppte: Das war ich. Und keine Sprüche jetzt!

Inzwischen packe ich nur noch für mich selbst und das macht fast Spaß. Also solange, bis ich versuche, den auf dem Boden angehäuften Stapel in den Koffer zu quetschen. Dann ist der Spaß meist zu Ende. Der Kram neigt dazu, im Koffer an Volumen zuzulegen. Dabei wird schon nach allen Regeln der Kunst gerollt und gestopft. Also alles wieder raus, sortieren und von vorn.

Und wo ist jetzt noch Platz für Tee, Kekse und Clotted Cream?

Fast eine Woche London ist aber auch eine ganz schöne Herausforderung. Erster Schritt: Wetter checken. Das soll gut werden. Aber wie war das nochmal? Braucht man bei 19 Grad eine Jacke? Ich kann mich nicht erinnern. 19 Grad - die hatten wir gefühlt seit dem letzten Sommer nicht mehr. Nächster Schritt: Schuhe. Die müssen vor allem eines sein: Bequem. Meine Freundin und ich erinnern mich manchmal an Theo aus „Theo gegen den Rest der Welt“. Der stellte auf dem Europakärtchen seines Taschenkalenders fest, dass Marseille ja nur zwei Zentimeter von Belgien entfernt ist… Können wir auch. „Ist nicht weit. Gehen wir zu Fuß“, entpuppt sich gern mal als Irrtum. Also Sneakers. Dritter Schritt: Für abends noch ein Paar hübschere Schuhe. Wobei es in keinem Pub der Welt wichtig ist, was man an den Füßen trägt. Hauptsache, man brüllt für den richtigen Fussballclub. Schritt vier: Jeans? Oder ein Rock? Womöglich ein Kleid? Schritt fünf: Passen die Schuhe überhaupt zum Kleid? Schritt sechs: Nehme ich jetzt nen Pullover mit, weil es morgens ja eventuell gegebenenfalls vielleicht etwas kühler ist? Schritt sieben: Reichen vier Blusen oder gehe ich Spaghetti essen? Spätestens an diesem Punkt wird es völlig unkoordiniert und der Stapel wird immer größer.

Reiseoutfit: Check. Samt Mantel, Falls 18 Grad doch mal zu kalt sind.

Gar nicht so einfach ist es übrigens, im Frühling oder Herbst einen Städtetrip zu unternehmen, wenn man den ganzen Tag unterwegs ist. Morgens kalt, nachmittags heiß. Also muss der Anzug vom Morgen auch am Nachmittag noch funktionieren, wenn man nicht zwischendurch ins Hotel zurückkehrt. Wir wollen einen Tag in Brighton verbringen. Da ist dann Lagenlook für Fortgeschrittene angesagt. Pro Stunde wird irgendwas vom Körper geworfen, was aber den Rest des Tages mitgeschleppt werden muss.

Diesmal habe ich zwar einen großen Koffer und muss nicht mit Handgepäck klarkommen. Aber im großen Koffer muss genügend Platz bleiben, um das halbe Sortiment von Fortnum & Mason nach Hause zu schleppen. Tee und Kekse sind im Zweifelsfall wichtiger als Schuhe. Clotted Cream sowieso.

Extrem hilfreich: Schon mal vorab Outfits zusammenstellen.
Also platzsparend und überlegt packen. Ein paar Dinge habe ich im Laufe der letzten Jahre über das Packen für Städtetrips gelernt. Irgendwas muss ja hängenbleiben ;-) 

Tipp 1: Nicht nur festgelegte Outfits einplanen. Im Zweifelsfall hat die helle Jeans nach zwei Stunden einen fiesen Fleck und damit fallen gleich zwei Outfits weg, weil die mitgenommenen Oberteile nur zu dieser einen Hose funktionieren. 

Tipp 2: Möglichst viele Kleidungsstücke sollten untereinander kombinierbar sein. Und wenn der neue Pulli noch so schön ist. Wenn er nicht ausreichend Kombinationsmöglichkeiten bietet, ist er raus.

Tipp 3: Auch an die Kombinierbarkeit der Schuhe denken! Und mindestens zwei Paar bequeme Schuhe einpacken. Nichts ist schlimmer als wenn die gut eingetragenen Sneakers plötzlich doch zwicken und man unter Zeitdruck Ersatz kaufen muss. Das funktioniert nie.

Tipp 4: Immer mindestes ein Shirt mehr mitnehmen als man zu brauchen glaubt, falls man plant, Spaghetti zu essen oder Food-Festivals zu besuchen. Mehr sage ich dazu nicht.

Tipp 5: Outfits in Schichten planen. Und zwar so, dass man überflüssige Schichten in eine Tasche packen kann und nicht nach drei Stunden dringend ins Hotel zurück muss, um sich umzuziehen, weil es viel zu warm ist. Nichts geht über knitterfrei und leicht, um nicht irgendwann als erschöpfter Packesel zu enden.

Tipp 6: Alle Outfits, die man sich überlegt hat, zu Hause vor dem Spiegel ausprobieren. Dann sieht man, ob alles passt und vor allem tatsächlich zusammenpasst. Außerdem fallen Knöpfe dann zuhause ab und nicht irgendwo am Picadilly. Nicht dass mir das jemals passiert wäre… ;-)

Tipp 7: Eine Handtasche (oder mehrere) wählen, die fest verschließbar ist. Nix kommt schneller weg als ein Portemonnaie, das aus einem lässig halb zugeschnürten Rucksack zum Zugreifen einlädt. Also Tasche zu. Fest zu.

Tipp 8: Falls man Gepäck aufgibt: Foto vom Koffer machen. Ansonsten steht man etwas belämmert da, wenn das Gepäck plötzlich weg ist und man soll seinen Koffer beschreiben. Glaubt mir, ich spreche aus Erfahrung.

Tipp 9: Packt etwas in den Koffer, mit dem man ihn einwandfrei identifizieren kann. Das kann ein Buch sein (nee, nix aus der Spiegel-Bestsellerliste), eine Kopie des Personalausweises oder eine quietschgrün-pink-orange gestreifte Schminktasche. Geht der Kofferaufkleber verloren, sind Beschreibung und Inhalt das Einzige, womit man den Koffer zuordnen kann.

Tipp 10: Falls es nur Handgepäck sein soll, informiert Euch über das zulässige Höchstgewicht und über die Sache mit den Flüssigkeiten. Ich dachte, Letzteres hätte sich inzwischen rumgesprochen. Die Zahl der konfiszierten Kulturtaschen an der Sicherheitskontrolle sagt was anderes. Ach ja, Marmelade gilt als Flüssigkeit. Selbst wenn sie vom Hoflieferanten der Queen stammt. Ich habe da diverse Erfahrungen gesammelt…

Und noch ein Outfit. Mit ein bisschen Tüfteln lässt sich eigentlich alles mit allem kombinieren.

Ich denke, diesmal habe ich ich es geschafft, nicht zu viel und nicht zu wenig einzupacken. Naja, das denke ich eigentlich immer. Zu wenig war es übrigens noch nie. Und in der allergrößten Not geht man halt einfach shoppen. Ich hoffe, das liest meine Freundin jetzt nicht. Ich habe ihr nämlich versprochen, dass der Trip diesmal Oxford-Street-frei bleibt :-)

Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. hihi! spaghetti-essen :-D
    ich liebe kofferpacken. aber ich hab ja auch kollektionen zusammenstellen auf der schule gelernt.... ausserdem bin ich minimalist durch meine wandertouren. also kommen der BW und ich für eine woche städtetrip mit EINEM gemeinsamem koffer, grösse wie deiner hier aus. die dame am gepäckschalte guckt immer sehr ungläubig :-) und das wir trotzdem "dressed to the nines" sind - siehe reiseposts wien/venedig.
    nochmal - viel spass in london!
    xxxxx

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    1. p.s.: ich glaub meinen/unseren koffer erkennt man auch ohne foto am inhalt wieder :-D

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    2. Du erkennst ihn ganz sicher wieder. Aber beschreib mal den Inhalt für die Menschen in der Koffer-Identifizierungsstelle... ich habe Blut und Wasser geschwitzt dabei. Wobei bei uns ja noch dazu kam, dass keiner so recht wusste, was in welchem Koffer war - bei vier Leuten auf der Rückreise ist das nämlich ziemlich beliebig...

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  2. Liebe Fran,
    die Tipps sind echt interessant. Zum Glück ist noch nie ein Koffer von mir verloren gegangen aber ein Foto zu machen und in den Koffer "wiedererkennbares" zu geben macht total Sinn!
    Ich wünsch dir viel Spaß im Urlaub!
    Lieben Dank, dafür!
    GLG Natascha

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    1. Bei uns sind im letzten Sommer gleich alle Koffer verloren gegangen. Das war nicht lustig. Damals habe ich gelernt: Irgendwas muss im Koffer sein, mit dem man ihn einwandfrei zuordnen kann. Am besten obenauf. Sonst hast du in dem Moment, in dem der Gepäckanhänger der Fluglinie abreißt, schlechte Karten und darfst hoffen, das Ding bei einer Kofferversteigerung zurückzubekommen.

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  3. Danke für den Wiedererkennungstipp. Innen wie außen. Klamottenshoppen geh ich im Urlaub nie. Schaufenster gucken schon. Ja. Die Schuhe sind immer eine Herausforderung, wenn nicht Sonne oder Schnee angesagt sund. Bei Dauerregen bekommt man mich nicht aus dem Haus, so habe ich keine passenden Schuhe. Viel Spaß in London.
    LG Sunny

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    1. Auf Städtetouren gehe ich durchaus auch mal shoppen. Und bei Dauerregen im Hotel bleiben? Nee, da würde ich wahnsinnig. Regen kann außerdem sehr kontaktfördernd sein. Ich bin beim Unterstellen und Schirmsuchen schon die nettesten Menschen kennengelernt.

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  4. Ja, genau! Exakt die Frage "Braucht man bei 19 Grad eine Jacke?" habe ich mir am vergangenen Sonntag gestellt, mit "ja" beantwortet", vorsichtshhalber noch ein leichtes Tuch umgelegt und bin anschließend mit um die Hüfte gebundener Jacke durch die Lüneburger Heide marschiert (das Tuch hatte ich glücklicherweise schon beim Aussteigen im Auto gelassen). Aber mein Ausflug war ja nur 2-stündig - bei einem Städtetrip, wo man frühmorgens das Hotel verlässt und spätabends erst wieder heimkehrt, sieht das tatsächlich ganz anders aus, aber Du weißt ja Bescheid.

    Ich wünsche Euch GAAAAAAAAAAAAAAAAANZ viel Spaß!!!

    Liebe Grüße
    Gunda

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    1. P.S.: Du mit Bäri im Sommerkleid ... - solche Bilder im Kopf liebe ich ja! :)

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    2. Von Bär und mir gibt es sogar Fotos. Der Rest der Familie hat sich totgelacht. Einschließlich Kind, klein. Und ich habe beschlossen, dass ein dünner Mantel für morgens und abends reichen muss. Wenn mir kalt ist, gehe ich in einen Pub. So.

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  5. Man lernt doch nie aus! Fran, deine Tipps sind wieder eine Fundgrube. Ich hatte bereits von deinen Barcelona Tipps profitiert, hatte ich mich dafür schon bedankt? (Falls nicht, möchte ich das hiermit nachholen.)
    Deine Schuhe finde ich interessant. Verrätst du uns, welche das sind?
    Zu Bäri sage ich mal nichts - und grinse still :))
    Ich wünsche dir und deiner Freundin eine superschöne Zeit mit ganz viel Tea, Cream und leckersten Keksen...

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    1. Oh, das ist klasse, dass du von den Barcelona-Tipps profitieren konntest :-) Ich freu mich ja immer, wenn ich irgendjemanden mit meiner Begeisterung anstecken kann. Hat es dir gefallen? Ich freu mich schon wie Bolle auf den Sommer, wenn ich wieder hinfliege.

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  6. Liebe Fran,
    ich lese deine Beiträge immer gern,du schreibst
    so wunderbar herzerfrischend.
    Die Tipps heute sind echt klasse,vielen Dank.
    Liebe Grüße
    Uta

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  7. Liebe Fran, ich mach das auch so und hänge alles zusammen auf die Stange. Ich glaub Du bist echt gut bedient mit Deiner Auswahl. Ich wünsche Dir viel Spass in London und freu mich auf Fotos und Berichte :)
    Liebe Grüße Tina

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  8. Toller Tipp das mit den Outfits zusammenzustellen! Früher hatte ich immer viel zu viel mit. Jetzt mache ich es überlegter. :)
    Schöne Tage in London Fran!

    <3

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  9. Ich lese und staune. Das wird ein echtes Mehrwert-Blog. ;)

    Und übrigens: Fortnum & Masons hat einen Onlineshop. Also... nur für den Fall, dass dir ein Rudel Schuhe über den Weg läuft, das du dir keinesfalls entgehen lassen möchtest. ;D

    Viel Spaß!

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  10. Die Tipps finde ich sehr praktisch. Besonders das Erkennungsmerkmal hat mich total überzeugt.
    Du wirst super aussehen in London und Brighton und jede Menge Spaß haben.
    Tea und Scones und Clotted Cream gibt bei mir auch öfters. Gurkensandwiches mach ich auch dazu und dann fühle ich mich ein bisschen wie in London.
    Gute Reise und viel Spaß wünscht Dir Sieglinde

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  11. :-) Ich hoffe, dass Du inzwischen heil in London angekommen bist.
    Viel Spaß, genieß die Zeit und ich freue mich schon auf Deine Berichte.
    Ganz liebe Grüße :-)

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  12. Liebe Fran, superschöne Outfit-Kombination hast Du Dir da oben zurechtgelegt! Die von Dir gewählten Farben sind natürlich ideal zum Kombinieren. Und an Deinen Tipps merkt man, dass Du schon ein Reise-Profi bist. Ein Photo vom Koffer zu machen und markante Dinge mitnehmen - eine gute Idee, die wertvolle Nerven schonen kann. Na, dann wäre es quasi gar nicht dumm, wenn man den Koffer zuhause auch schon von aussen irgendwie markant gestaltet, zum Beispiel eine buntes Bändchen um den Griff bindet oder so...
    Ich wünsche Dir jetzt auf jeden Fall herrliche Tage in dieser tollen Stadt! :-))

    Liebe Grüße

    Hasi

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  13. Liebe Fran,

    sind das wirklich schnee-wei-ße Schuhe, die du da mitzunehmen gedenkst? Das finde ich irgendwie mutig, denke ich ans Spaghetti-Essen. Wäre bei mir in der gleichen Gefahrenkategorie wie das weiße T-Shirt .... Verrätst du, ob sie den Städetrip überlebt haben? Danke für den tollen Beitrag, sehr hilfreich! Liebe Grüße, Mina

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