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Einsichten aus dem Leben einer Nagel-Lackier-Legasthenikerin



Ich kann meine Nägel nicht lackieren. Ich habe es Jahrzehnte lang immer wieder versucht. Aber ich kann es einfach nicht. Ich kann mit einer Schlagbohrmaschine wunderschöne Löcher in Wände bohren. Ich kann sogar inzwischen Spülmaschinen reparieren. Aber Nägel lackieren? Da kapituliere ich. Vermutlich liegt es daran, dass ich nie im Kindergarten war. Ich musste also nie irgendwelche Bilder ausmalen. Naja, und dann ist es ja wohl auch kein Wunder, dass ich das mit dem Nägel-Ausmalen nicht beherrsche.


Mit rechts die Nägel der linken Hand zu lackieren geht ja noch halbwegs gut. Aber spätestens wenn ich mit links die Nägel der rechten Hand lackiere, lackiere ich regelmäßig halbe Finger. Und wenn ich dann anfange, das Desaster mit Nagellackentferner richten zu wollen, wird es wirklich wild. Das Ergebnis ist, dass ich das gesamte Geschmiere entferne und schwöre, es nie wieder zu versuchen. 


Dazu kommt, dass meine Nägel diesen blöden Entferner so gar nicht schätzen. Die splittern schon, wenn man ihnen eine Flasche Nagellackentferner nur zeigt. Also habe ich 60 Jahre lang neidvoll auf die wunderschön lackierten Nägel an denen geschielt, die das aus dem Effeff beherrschen.


Ok, es gibt natürlich die Alternative der Gelnägel aus dem Nagelstudio. Aber ehrlich: Nö. Einfach nö. Nachdem ich gesehen habe, was die mit den Nägeln von Kind, groß, angestellt haben, war auch diese Möglichkeit raus. Das Kind durfte Jahre lang „sowas“ nicht, weil Arbeit im medizinischen Bereich. Da sind kurze, unlackierte Nägel Vorschrift. Als sie dann gekündigt hatte und mit dem Studium begann, hat sie sich Gelnägel machen lassen. Mit dem Ergebnis, dass ihre eigenen Nägel bitter gelitten haben und ein halbes Jahr brauchten, um sich davon zu erholen. Also nö.


Und dann schleppte dieses Kind in den Weihnachtsferien gleich zwei Alternativen zum Nagellack an. Folien, die man auf den Nagel klebt und unter einer UV-Lampe aushärten lässt und Gelnägel, die man auf die eigenen Nägel per Klebepad aufklebt.


Das Folien-Prinzip ist einfach. So einfach, dass selbst ich es hinbekommen habe. Das Aufkleben und Aushärten hat hervorragend geklappt, das Zeug hielt problemlos zwei Wochen und ich fand es erstmal toll. Bis das Kind von den Dingern heftigen Ausschlag bekam und ich meine Nägel nach dem Entfernen sah. Die fanden das Procedere nämlich überhaupt nicht witzig und lösten sich, nachdem ich die Folien nach Anweisung wieder entfernt hatte, in ihre einzelnen Schichten auf. Damit war diese Version also raus.


Eigentlich war ich schon so weit, die Gelnägel ohne Test dahin zu verfrachten, wo auch die Folien ihr Ende fanden: Die große schwarze Tonne. Aber dann dachte ich mir, nachdem sich die Nägel erholt hatten: „Versuch macht klug“.




Und was soll ich sagen? Das ist noch einfacher :-) Klebepads rauf, Nagel rauf und fertig. Hält, wenn man sich an ein paar Spielregeln hält (nicht direkt nach dem Händewaschen in Angriff nehmen, sondern eine halbe Stunde abwarten und die Nägel bitte fettfrei), ebenfalls gut zwei Wochen bombenfest. Viermal die Woche mindestens 45 Minuten Schwimmbad ertragen sie ebenso problemlos wie die üblichen Erledigungen im Haushalt wie Abwaschen, Gemüse schnippeln, Großputz inklusive Fenster. 


Ok, das Entfernen war spannend. Würden meine Nägel wieder so schlimm aussehen wie nach dem Folien-und-UV-Licht—Experiment? Nö. Sahen sie nicht. Man taucht die Finger wie einst bei Frau Tilly für zehn Minuten in ein Schälchen mit warmem Wasser und Öl (nein, kein Spülmittel) und die Gelnägel lassen sich problemlos abnehmen. Der Kleber bleibt dran hängen und den kann man dann von den Dingern abnehmen und sie wiederverwenden. Klebepads liegen zahlreich in der Packung oder können einzeln nachbestellt werden. Ach ja, die Nägel gibt es auch in kurz. Und in gemäßigt lang. Denn die Krallen, die man heute so sieht, waren für mich völlig undiskutabel. Und die eigenen Nägel? Sehen nach dem Entfernen aus, als wäre nie was gewesen. Kein Splittern, kein Auflösen. Die sind völlig unbeeindruckt.




Für mich als zertifizierter Lackier-Depp ist das eine hervorragende Lösung. Ich muss meine eigenen Nägel nicht auf irgendwelche abenteuerlichen Längen züchten (und bei mir ist alles, was über „sehr kurz“ hinausgeht, schon abenteuerlich), um ihnen dann mit Nagellackentferner den Garaus zu machen. Die Nägel halten zwei Wochen lang ohne Probleme und dann ist mir in der Regel auch nach Naturnagel. Aber wenn ich mag, dann kann ich jetzt auch knallrot. Oder, etwas unauffälliger, zartrosa. Ich liebe es. Und werde vermutlich die nächsten 60 Lebensjahre (und ja, ich bin da Optimist ;-) nicht mehr neidvoll auf fremde Hände schielen.


Liebe Grüße

Fran

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