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Auch ein Jahresrückblick





Als Blogger ist es quasi gesetzt, einen Jahresrückblick zu schreiben. Und deshalb habe ich mir mal überlegt, wie der Jahresrückblick eines wirklich erfolgreichen Influencers aussehen könnte. Nicht der eines kleiner Wald-und-Wiesen-Bloggers wie ich es bin, sondern der Rückblick eines wirklich wichtigen Influencers, an dessen Lippen respektive Kamera die Welt hängt. OK, werdet ihr jetzt sagen: Der bloggt nicht, sondern influenct auf Instagram. Vermutlich habt ihr damit Recht. Aber da ich ein alter Dinosaurier bin, denke ich immer noch in Blogposts. Also los.

Vorher allerdings der übliche Disclaimer: Dieser Text ist frei erfunden. Alle Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig und nicht beabsichtigt.



Meine zauberhaften Zaubermäuse!


Nun kann es endlich in die Tonne, das Jahr 2020! Weg damit, mir aus den Augen! Was für ein schreckliches Jahr. Keine Luxus-Kooperationen, keine glamourösen Bloggerevents und keine Fashion Weeks. Und jetzt, zum Schluss, nicht einmal eine sparkelnde Party und nach Ischgl und St. Moritz kann ich über den Jahreswechsel auch nicht. Nicht cool.


Dabei hatte es so wunderbar angefangen, mit dieser Reise nach Bali. Obwohl sich da die Influencer ständig gegenseitig auf den Füßen stehen und man an den Foto-Hotspots über Dutzende von Menschen fällt, die das Foto des Jahres machen wollen. Furchtbar, fürs nächste Jahr muss ich mir dringend etwas anderes überlegen. Bali ist inzwischen so gewöhnlich geworden… Aber immerhin war es warm und ich hatte Content für fast einen Monat. Wobei die Sache mit den Pufferjackets vor Ozean-Hintergrund echt nicht so dolle war. Da hatte ich die Luftfeuchtigkeit leicht unterschätzt und ich sage Euch: So ein Krankenhausaufenthalt auf Bali wegen eines Kreislaufkollapses ist not nice.


Und dann, kaum war ich wieder zuhause und hatte mich von der Tortur erholt, wurde mir das Licht von Lockdown Nr. 1 ausgeknipst. Eigentlich war er mir ja ganz willkommen, der Lockdown. Endlich genug Zeit für Yoga, Achtsamkeit und Selfcare. Dass aber alle Kooperationspartner ihre Verträge kündigten und Angebote zurückzogen, hat mich kalt erwischt. Selbst die Yogamatte musste ich selbst bezahlen! Das ist mir noch nie passiert in meinen drölfzig Jahren als Influencer.


Ich habe es dann trotz dieser blöden Grenzschließungen noch mit einer klitzekleinen Reise nach Paris versucht. Bin mit dem Auto über einen ganz kleine Grenzübergang, an dem nicht kontrolliert wurde. Das klappte und ich kam unbehelligt bis Parils. Aber diese miesen Franzosen haben mich nicht auf den Eiffelturm gelassen! So eine Frechheit. Selbst die Drohung, das im Rahmen einer Instagram-Story anzuprangern hat nicht geholfen. Diese außerordentlich schlecht gekleideten Polizeibeamten waren sowas von unentspannt. Die kannten mich und meine Marktmacht nicht einmal! Aber die Fotos für die Mode-Kooperation sind auf den völlig leeren Champs Élyseés, die sind toll geworden. Gar nicht so toll waren dann diese kleingeistigen Beamten an der Grenze zurück in Deutschland, die sagten, ich müsse jetzt in Quarantäne.


Und dann wurde es zäh. Ich hatte zeitweise wirklich Angst, ich müsse meine Miete mit diesen Nahrungsergänzungsmitteln und dem billigen Schmuck zahlen, die mir als einzige Kooperation im Lockdown angeboten wurde. Eine ganz miese Zeit für Influencer. Langsam kamen dann ein paar Angebote für Loungewear rein. Die war zwar eigentlich absolut nicht mein Stil, weil billigstes Plastik. Aber von irgendwas muss ich schließlich leben und notfalls eben von solchem Kram. Das müsse meine Follower dann halt einfach mal aushalten. Außerdem hatte ich ja noch zusätzliche Kosten, um meine Bude aufzumotzen. Wie bitte soll man wochenlanges, stylishes„stay at home“ durchhalten, wenn man nicht wenigstens eine Designerlampe und einen spartanischen skandinavischen Schreibtisch aus handgeklöppeltem, zweimal über den Äquator geschaukeltem Zedernholz zu bieten hat?


Zum Glück gab es noch ein paar lukrative Angebote für Versicherungen und Finanzkram, von dem ich eh nix verstehe. War wohl auch besser so. Egal, die zahlen gut. Ich hatte schon in Betracht gezogen, Online-Wochenend-Workshops für mehr Achtsamkeit und Selfcare zu geben - und das, obwohl ich mein Wochenende nun wirklich zum Entspannen brauche. Aber meine Tech-Reps wollten tatsächlich Vorkasse, um mit ein Workshop-Modul für meinen Blog zu bauen. Ich habe versucht, ihnen Gutscheine für die Workshops als Bezahlung schmackhaft zu machen. Aber die Deppen wollten die nicht. Ist klar, waren halt Nerds, die von Selfcare nichts verstehen. Ohne Workshop-Modul war dann nix mit Workshops. War aber auch ganz gut, denn sowas ist echt aufwendig und ich war ja so wahnsinnig unmotiviert angesichts der ganzen schlechten Nachrichten. Ich finde, es reicht auch, wenn in solchen Zeiten Pflegepersonal und so total ausgelaugt sind. Wir Influencer sollten da sehr auf uns aufpassen, dass es uns nicht genauso geht. Das wäre auch ganz schlecht fürs Geschäft!


Über Wasser gehalten habe ich mich außerdem mit „Buy local“- Aufrufen. Die gingen echt durch die Decke. Gut fürs Konto. Allerdings fragten dann ein paar Shops aus meiner Nachbarschaft an, ob ich das für sie nicht umsonst machen kann. Na, denen habe ich erstmal die Meinung gegeigt. Wovon soll ich meine Miete zahlen?


Im Sommer wurde es etwas besser. Endlich Urlaub. Aber wohin nur? Kuba, die Seychellen, selbst Bali hätte ich genommen. Ging nicht. Aber übrig blieben Ostsee, bayerischer Wald oder der Harz. Und dummerweise gab es ausschließlich Kooperationen mit Hotels, die ich bis dahin niemals in Betracht gezogen hätte. Kein luxuriöses Spa. Kein Privatstrand. NICHTS! Stattdessen deutsche Senioren als Stammgäste, rustikales Gelsenkirchener Barock-Interieur und Schnitzel-Buffet. Aber was tut man nicht alles, um endlich mal rauszukommen.


Im Spätsommer berappelte sich das Influencer-Dasein dann etwas. Endlich kamen wieder brauchbare Kooperationen und das eine oder andere Blogger-Event, das endlich mal wieder für Partystimmung und Glamour sorgte. Meine Instagram-Follower fanden die Parties dann aber nicht so toll. Die meckerten echt rum, weil ich so viel Spaß hatte. Habe ihnen erklärt, dass das Teil meines Berufes ist und sie schließlich auch arbeiten gehen. Und wenn für mich Arbeit nun mal heißt, mich mit ganz vielen wichtigen Menschen Bussi-mäßig ablichten zu lassen, dann haben die Nörgler das zu respektieren. Außerdem: Wovon soll ich denn meine Miete zahlen? Immerhin haben mich meine richtigen Fans total supportet und den Neidern erklärt, dass sie Neider sind, und zwar deutlich. Boah, schrecklich, dieser Neider-Hate. Habe dann auch gleich eine Women-supporten-Women-Initaitive gegen Neid und Hate gestartet, um mich mal ein bisschen zu empowern. Influencer lives matter!


Das Vorweihnachtsgeschäft lief in diesem Jahr dann katastrophal. Nichtmal ein paar Goodies für meinen Adventskalender haben meine Kooperationspartner rausgehauen. Nicht tragisch? Konsum ist nicht alles? Das einfache Leben ist ohnehin viel schöner? Na, habt ihr eine Ahnung. Das hieß: Keine Gewinnspiele, kein Adventskalender und damit auch fast keine neuen Follower. Also habe ich es gemacht wie alle: Das Hohelied auf die Einfachheit des Lebens gesungen. Wir brauchen keinen Konsum! Wir entdecken uns selbst und die Natur und sind total eins mit dem universe. 


Und kaum hatte ich die supernatürlich aussehende Plastiktanne geschmückt – ein echter Baum hält im Leben keine fünf Wochen – kam der Lockdown Nummer 2. Trotzdem habe ich Weihnachten natürlich für alle meine Fans total fancy im Abendkleid und einer Zoom-Party zelebriert und total viele good vibes gespreadet. Den Content habe ich schon Anfang November produziert. Gottseidank, denn im Dezember hätte ich nicht mal vorher zum Friseur gehen können!


A propos: Ich habe, weil ich ja nach Weihnachten schon den Content für die neue season shooten muss, versucht, meinen Stammfriseur dazu zu bewegen, mir trotz Lockdown einen Termin zu geben. Ich hätte sogar zwei Stories für den Termin rausgehauen. Überlegt euch mal: Meine Stories sind Tausende wert! Und was macht der Idiot? Sagt mir, dass er das nicht riskieren will, von wegen Bußgeld und so. Vermutlich ist der auch neidisch auf meinen Erfolg und ist voller hate gegen wirklich erfolgreiche Menschen wie mich. Der soll nicht glauben, dass ich seine Klitsche jemals wieder erwähne.


Aber ihr wisst ja, dass ich mich durch solche ermüdenden Details nicht unterkriegen lasse. Ich tanze einfach weiterhin durchs Leben und bin einfach super-duper-mega-glücklich darüber, dass ich euch alle habe und das muss am Ende eines solchen Jahres ja auch mal gesagt werden: Ihr seid die Allergrößten! Ihr wisst ja, dass ich mich selbst auf dieser Welt am meisten liebe. Aber gleich danach kommt natürlich ihr, meine Zaubermäuse!


Herzallerliebst

Eure Super-Fran


Kommentare

  1. Nein echt ich kann nicht mehr :))) Das nenne ich mal einen Rückblick. Köstlich hab ich mich amüsiert. Ich gestehe mit sind Rückblicke meist etwas langweilig, weil ich ja eh jeden Blogpost von meinen "Zaubermäusen" lese. Aber so einen nehm ich gerne. Der Göga hat gefragt weshalb ich so lache, gefolgt von dümmlichem Grinsen :)
    Ich freu mich schon auf ein weiteres Blogjahr mit Dir! Echt jetzt!
    Liebe Grüße Tina

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    1. Das Blogjahr 2021 wird großartig. Auch wenn aus mir vermutlich wieder kein großer Influencer wird ;-) Ich mag Rückblicke eigentlich ganz gern, solange sie nicht alles wiederholen, was ich eh schon gelesen habe.

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  2. Herzallerliebst, in der Tat. Wobei ich dieses Jahr in meiner Blase wenig Kontakt mit Derlei Content hatte. Wobei. Instagram scheint uns Bloggern was "Nachhaltigkeit" betrifft um Jahre hinterher zu hinken. Dauerwerbesendungen. Ich habe mich in diesem Jahr von vielen "Kanälen" dehalb getrennt. Aber auch wegen dem Umgang mit Corona.
    10 Inflenzer an einem Tisch? Weg damit. Modenschau ohne Maske in einem (geschlossenen) Laden. Weg damit. Skiurlaub in der Schweiz? Entfolgt. Weihnachtsurlaub auf den Canaren? Bye-bye.
    Ich bekomme einfach Schmerzen wenn ich sowas sehe. Bin aber nicht die Erziehungsbeauftragte. Deshalb darf ich mich vom Acker machen.
    BG und bleib gesund Sunny

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    1. Ich guck ja gern und oft über den Rand meines Tellers, weil ich meinen eigenen Teller immerhin schon kenne. Nenn es Berufskrankheit... Die Dauerwerbesendungen auf Instagram finde ich so absurd, dass sie schon wieder großartig sind. Man glaubt kaum, wie viele Produkte man innerhalb von drei Minuten in die Kamera halten und toll finden kann. Und wie vielseitig man so sein muss: Make-Up, Schmuck, Klamotten, Nahrungsergänzungsmittel, Versicherungen... irre. Und immer mit Rabattcode, bitte. Ich gebe mir das alle paar Wochen mal für eine halbe Stunde, dann werd ich bulimisch ;-)
      Lachanfälle bekomme ich bei dem völligen Bullshit, den unsere Corona-Leugner so von sich geben. Wobei ich diejenigen, die das offen tun, immerhin noch bis zu einem gewissen Maße respektieren kann. Die haben wenigstens Mut, zu ihrer Meinung zu stehen. Die rote Lampe blinkt bei mir bei denen, die diesen Mut nicht haben, aber genauso denken.

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  3. Meine zauberhafte Zaubermaus Fran, was wir jetzt am meisten brauchen, ist gute Laune, deswegen, vielen Dank, das war ein tolle Jahresrückblick! ;)
    Was wäre ein Jahr, wenn man sich am Ende nicht nochmal an die tolle und nicht tolle Zeit erinnert. Covid 19, Toilettenpapier, Brexit, Black Lives Matter, Trump, Nachhaltigkeit…Ja, das hatten wir uns ganz anders vorgestellt.
    Um ehrlich zu sein, ich bedauere jede Art von Arbeit, die dieses Jahr Probleme hatte - auch von den berühmten Influencern. Und ich für meinen Teil habe es wirklich bedauert, meine lieben ü30Blogger- Zaubermäuse nicht in München treffen zu können. Klar würde ich diesen zauberhaften Moment gern wiedererleben. Wer weiß nächstes Jahr? Und wer weiß, auch mit dir, meine zauberhafte Zaubermaus?
    Auf ein neues, gemeinsames kreatives Jahr 2020!
    Gruß & Kuss,
    Claudia

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    1. Die Sache mit dem Toilettenpapier ist definitiv etwas, was wir in 20 Jahren unseren Enkeln erzählen. Und natürlich ist es schade, dass Treffen nicht stattfinden konnten. Eigentlich wäre ich jetzt gerade in Leipzig beim Kongress und hätte jede Menge Spaß gehabt. Das tut mir auch leid. Sehr leid.

      Und ja, mir tun auch alle diejenigen leid, deren Einkommen aufgrund der Pandemie weggefallen ist. Aber ehrlich gesagt gehört die durchschnittliche Influencerin Ü50, die sich als Gattin von irgendwem ohnehin keinen Kopf um ihre Existenz machen muss, nicht wirklich zu denen, denen mein Mitleid gilt.

      Im nächsten Jahr bin ich dabei - aber muss es echt München sein? Ich weiß, da ist die Zaubermaus-Dichte einfach größer als hier im Norden. Aber Hamburg ist doch viel schöner ;-)

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  4. Liebe Fran,
    ich glaube, das war wirklich echter Jahresrückblick;). Mit Dingen, die wirklich zählen. Ich musste doch sehr lachen. Du hast es sehr schön beschrieben, wenn man das Jahr oberflächlich betrachtet. Oder sehr geinfluenced. Und da ich weiß, wie du eigentlich tickst, ist es umso schöner zu lesen. Das muss man können, diesen Rollentausch.
    Ich wünsche dir jedenfalls ein gutes Hinübergleiten in ein schönes 2021 und freue mich schon auf viele weitere Beiträge.
    Alles Liebe
    Nicole

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    1. Oh, Rollen tauschen kann ich prima, das übe ich täglich zwischen zuhause und Büro. Wo ich liebreizend bin und wo der herrschsüchtige General, da musst du meine Kinder und meine Mitarbeiter fragen ;-)

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  5. 🤣🤣🤣 Influencer haben es halt wirklich schwer...zum Glück kann ich meine Miete anders zahlen und darf mich mit Fug und Recht auch zu den Dinosauriern zählen :-)
    Aber 2020 war ich mega froh über das Internetz...

    Danke für's zum Lachen bringen. Wobei...schmerzt immer noch mit den gebrochenen Rippen...macht aber nix....

    Habe schöne 2020-Resttage liebe Fran!
    Schön, dass 'wie uns gefunden haben' :-)
    Gruß
    Nicole

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    1. Dir auch wunderbare Resttage! Und im neuen Jahr geben hoffentlich auch die Rippen Ruhe, dafür gibt es ein nigelnagelneues Fahrrad. Und auch im nächsten Jahr sterben die Dinosaurier hoffentlich noch nicht aus. Das wäre nämlich sehr, sehr schade.

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