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Pauschal und ich



Seit mehr als zehn Jahren sind Pauschalreisen an irgendeinen Strand dieser Welt und ich keine Freunde. Früher mal, als die Kinder klein waren, da war eine Pauschalreise normal. Da flogen wir im Sommer vorzugsweise nach Spanien, mit Neckermann. War einfach und kindgerecht.


Kaum waren die Kinder groß genug, um auch nur ansatzweise Interesse an etwas anderem als Plantschen, Buddeln und Futtern zu haben, habe ich sie durch Städte, Museen und Landschaften geschleppt. Gefiel uns allen besser. Nehme ich an. Die Kinder behaupten es. Ich sowieso. Es gibt nur einen Kritikpunkt, den Kind, groß, kürzlich sehr treffend zusammenfasste. Ohne einen Satz geht bei uns nämlich kein Urlaub. Und dieser Satz lautet „Das ist gar nicht weit“. Daraus resultieren in der Regel mehr als 20 Kilometer Laufstrecke pro Tag…


Das sollte diesmal anders sein. Nach tonnenweise Stress im Job, eineinhalb Wochen bergauf und bergab in Sölden und Schnee im August war mir nach Sommer und absolutem Nichtstun. 30 Grad, ein hübsches Hotel, lange schlafen, viel lesen, ein Pool und ein Strand sollten es sein. Ich habe natürlich über Barcelona nachgedacht. Aber da wäre ich wieder mal zwölf Stunden am Tag unterwegs gewesen und genau das wollte ich nicht. Stattdessen: Nichtstun. Absolut nichts. Auch auf die Gefahr hin, dass mir furchtbar langweilig sein wird.


Also habe ich die Coronazahlen in Südeuropa gecheckt und die niedrigsten Zahlen auf den kanarischen Inseln gefunden. Es wurde: Gran Canaria. Pauschalreisenhölle quasi. War mir in diesem Fall egal, die Buchung sollte einfach sein und ich hatte weder Zeit noch Lust auf komplizierte Flug- oder Hotelsuchen. Also gab es das Fertigangebot aus Flug, Hotel mit Halbpension (all inclusive wäre dann doch zu grauslig gewesen) und dem obligatorischen Bustransfer mit Stopps an drölfzig Hotels. Bei dem muss ich immer an diese Frau denken, die damals am Düsseldorfer Flughafen, als Urlaubsflieger niemals am Finger abgefertigt wurden, sondern eine Busfahrt zum Flugzeug inkllusive war, fragte: „Ist das der Bus nach Antalya?“. Keine Ahnung, wo die gute Frau gelandet ist… 






Tja, und ich bekam, was ich buchte. Massig Massentourismus, aber immerhin ein schönes Hotel, leckeres Essen, Sonne und Strand. Meine Kompatibilität mit Massentourismus ist allerdings inzwischen sehr beschränkt. Der Strand war irre. Lang, breit und sandig. Der Atlantik war mal sanft und mal wild, aber immer wunderschön. Das Hotel war schön, wenn auch ganz schön groß. Masse eben. Ein toller Palmengarten, diverse Pools und prima Futter.


Die Menschen waren manchmal ein wenig gewöhnungsbedürftig. So wie die ältere Dame irgendwann am Nebentisch, die ihrer Begleitung voller Inbrunst erzählte, dass sie seit 40 Jahren auf Gran Canaria urlaubt und im Herzen ja irgendwie Spanierin ist. Das Herz hatte nur die Zunge noch nicht erreicht. Denn als der Kellner ihren Getränkewunsch aufnehmen sollte, kam ein barsches „Mineralwasser“. Auf die obligatorische Frage, ob con o sind gaz gab es nur eine Antwort: „Mineralwasser“, diesmal noch ein wenig barscher. Nun ja, man kann innerhalb von 40 Jahren auch unmöglich derart komplizierte Begriffe lernen…





Nicht unwitzig waren die Menschen, die am frühen Morgen auf Liegenjagd gingen. Völliges Nichtstun habe ich natürlich nicht durchgehalten. Deshalb war ich morgens regelmäßig im Fitnessraum und habe anschließend im Pool meine Bahnen gezogen. Das war für den Rest des Tages ohnehin nicht möglich, weil dann die „Schreiter“ kamen, die ihre Bahnen schreitend zogen. Samt Sonnenhut und Sonnenbrille. Macht man wohl heute so. Und als ich morgens so gegen acht im Pool schwamm, kamen scharenweise Menschen mit Handtüchern und Wäscheklammern bewaffnet, um die beste aller Liegen zu identifizieren und zu sichern. Ein Handtuch wurde glatt über die Liege gelegt, noch ein wenig glatter gezogen und mit Wäscheklammern festgezurrt. Ein weiteres Handtuch wurde fein säuberlich gefaltet und am Fußende der Liege deponiert. Das Kunstwerk dann noch mit einem Sudoku-Heft garniert und dann ging es zurück ins Hotelzimmer. Hauptsache, die Liege war für den Tag gesichert. Ein solches Verhalten legen übrigens nicht nur deutsche Rentner an den Tag. Nein, da machen alle mit. Mittelalte Franzosen, junge Spanier und niederländische Familien. Und nur der early bird kriegt die beste Liege.


Spätestens um zehn war keine einzige Liege mehr ohne Handtuch-Dekoration, Menschen waren am Pool aber noch nicht zu sehen. Die frühstückten gerade alle. Und so ein Frühstück hält ja nicht ewig vor. Deshalb wurden Stullen für den Tag geschmiert und zusammen mit dem Obst vom Buffet in der Handtasche versenkt. Man will ja tagsüber nicht verhungern! Man stelle sich vor, es kommt eine Hungersnot im Pauschalhotel! Nach Corona ist wohl alles möglich.


So gegen elf Uhr ging das allgemeine Grillen dann los. Himmel, ich habe noch nie so viele krebsrote Menschen gesehen. Sonnenschutz scheint noch nicht überall angesagt zu sein. Aber gut, jeder wie er mag.


Ich war froh, dass ich nicht zur Gattung der Pool-Lieger gehöre und grillen in der prallen Sonne mit gelegentlichen Schreit-Pausen im Pool hasse wie die Pest. Und machte mich fachgerecht eingecremt lieber auf den Weg zu einem Strandspaziergang mit gelegentlichen Ausflügen in die Wellen. Ha, und ich habe sogar gelernt, mich von Wellen nicht umwerfen zu lassen, sondern einfach durchzutauchen. Nennt mich Held! Und mit einem Keks am Mittag halte ich spielend auch ohne Stullenpaket bis zum Abendessen durch.


Nach zwei Tagen Sozialstudien hatte ich mich an meine Mit-Urlauber gewöhnt ;-) und ich habe die Woche ganz pauschal einfach mal genossen. Der nächste Urlaub dieser Art kommt dann wohl in ungefähr 15 Jahren. Aber dann nehme ich definitiv Wäscheklammern mit!






Ansonsten habe ich das Meer und die Wellen geliebt, habe natürlich den Satz „Das ist gar nicht weit“ genutzt und bin mit hängender Zunge den gar nicht so weiten Weg zweieinhalb Stunden lang durch die Dünen spaziert und habe vier dicke Wälzer innerhalb von einer Woche gelesen. Genauso hatte ich mir das vorgestellt. Und trotzdem ist es genau genommen eine Schande, dass ich quasi nichts von der Insel gesehen habe. Ich hatte kurz erwogen, ein Auto zu mieten. Aber das hätte damit geendet, dass ich pausenlos unterwegs gewesen wäre. Und genau das wollte ich ja ausnahmsweise nicht sein.








Fazit: Entspannend war Gran Canaria definitiv. Ich bin sogar nach drei Tagen Arbeit noch tiefenentspannt und das ist eine Premiere. Aber irgendwie ist mir ein Urlaub mit weniger Entspannung und mehr Erleben dann doch lieber.


Liebe Grüße

Fran


Kommentare

  1. Hach Fran was für schöne Bilder! Ich kann so gar nix meckern über meine all inklusive Reise, meine allerallererste allerdings 😂, aber im Juni waren wohl auch noch nicht so viele so weit gereist.
    Wir brauchten auch einfach Erholung und nix denken, dafür wars perfekt. Ich schlafe 3 Monate danach noch viel besser ein als zuvor. 20 km laufen ist nix mehr für mich, aber fremde Städte und Länder richtig erleben, erkunden ist schon toll.
    Ich finde Du siehst auf den Fotos schon sehr entspannt aus. 😁
    Liebe Grüße Tina

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    1. Na, ich denke doch, dass das Publikum auf Eurer Reise en anderes war als auf Gran Canaria ;-) Und ich schätze, in der dominikanischen Republik latscht du auch nicht gerade mal in einen der drölfzig Supermärkte nebenan, um dir eine Cola zu kaufen....
      Erholsam war das in der Tat. Ich schätze, ich habe in den letzten zehn bis 15 Jahren nicht mehr so wenig erkundet wie in diesem Urlaub. Ich bin ehrlich gesagt ein bisschen zwiegespalten. Auf der einen Seite wollte ich genau das, auf der anderen Seite hätte ich mir die Insel sehr gern viel genauer angesehen.

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  2. Liebe Fran,

    all inklusive mit Kindern ist definitv fein, denn alle halbe Stunde 'Ich hab Durst' geht ins Geld. zumal wir nicht zu den fulminant ausgestatteten Urlaubern gehören, die wirklich ALLES dabei haben. Das hat mich dieses Jahr an der Ostsee wieder tief beeindruckt. Oder verwirrt?
    Dieses Liegengeschacher nervt, aber machst du nicht mit, hast du verloren. Besonders wenn man wie ich Schattenplätze braucht.
    Das Hotel, in dem du warst, war mal einer anderen Kette zugehörig. Damals vor drölfzigtausend Jahren, hatte jedes Zimmer eine/zwei Liege(n) mit der Zimmernummer. Es gab einen Poolboy, der dir die Liege dann an die gewünschte Stelle getragen hat. Eigentlich eine coole Kiste, allerdings hätte er bei Lady Mineralwasser wahrscheinlich direkt hingeschmissen (nicht nur die Liege).
    Dieses Pauschalding hat halt Vor- und Nachteile.
    Und ist nicht weit ist hier auch geflügelt. Synonym: Kurz. Was schon zu kleineren Krisen führen konnte. Inklusive Sitzstreik (ich nicht!) auf dem Weg zum Park Güell.

    Schön, dass du dich entspannt hast und das Hinterland von GC ist ganz hübsch.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Hm, hätte ich doch das Auto mieten sollen? Ich habe wirklich mit mir gekämpft. Nu muss ich doch nochmal dahin, um zu gucken, was es außer Strand und Dünen noch so gibt?

      Bei Reisen mit (kleinen) Kinder gebe ich dir definitiv Recht. Und diese Frauen, die ALLES dabei haben und immer die Tupperdose mit den Apfelschnitzen für den Nachwuchs und die zweite mit dem Majonnaisensalat samt Frikadelle für den Gatten zücken, machen mich auch immer ganz andächtig ;-)

      Bei dem Liegengeschacher mitzumachen, da weigere ich mich. Habe ich auch früher nicht. Irgendein Plätzchen fand sich eigentlich immer. Ich finde diese Liegen-Handtuch-Nummer absolut abartig. Aber gut, am Pool zu liegen ist eh eine Beschäftigung, der ich so gar nix abgewinnen kann. Einen Poolboy dagegen finde ich genial. Sowas hätte ich dann auch gern. Und falls ich doch mal unter die Pool-Lieger gehe, buche ich eines der Zimmer mit Privatpool. Da hab ich meine eigene Liege. Und das wäre es mir definitiv wert.

      Den Sitzstreik auf dem Weg zum Park Güell kann ich verstehen. Je nachdem welchen Weg man nimmt, kann der sehr, sehr lang und sehr, sehr steil sein. Beim ersten Mal haben wir den wohl längsten möglichen Weg genommen und ich war kurz davor, aufzugeben. Ich habe damals befürchtet, wir kommen nie an. Kunststück, wenn man sich dem Park von oben nähert. So bescheuert ist sonst keiner.

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  3. Wenn man den Urlaub macht, den man gerade braucht, dann ist doch alles richtig gemacht!
    Mich würde es auch vor Pauschalreisen fürchten, habe aber die letzten Jahre sogar mal drei Studien-Busreisen gemacht mit Gruppe. Ich habe es überstanden, aber es ist nicht mein wahrer Urlaub. Nur, wenn ich sonst nicht so leicht hinkomme zu dem gewünschten Ziel, dann nehme ich es in Kauf.
    Gut finde ich, dass Du kein Auto genommen hast, sondern wirklich im wahrsten Wortsinn bei Dir geblieben bist.
    Und, dass Du immer noch entspannt bist...
    Liebe Grüße von Sieglinde

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    1. Bei Studien-Busreisen hat man aber wenigstens Menschen, die irgendwie interessiert an ihrem Urlaubsziel sind. Daran hatte ich bei einigen echte Zweifel. Die hätte man auch sonstwo abkippen können, die hätten nichtmal gemerkt, in welchem Land sie sind. Das ist eine Einstellung, mit der ich so gar nicht klarkomme.
      Bei mir zu bleiben war gar nicht so einfach, denn eigentlich ist Nichtstun im Urlaub so gar nicht ich. Aber immerhin weiß ich jetzt, dass ich das kann.

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  4. Wir haben all diese Arten von Urlauben erlebt - mit und ohne Rundreisen, All und nicht All Inclusive, egal, Hauptsache, es war damals das, was wir wollten. Nur so können wir die Tage gut genießen. Wir mieten immer ein Auto, wenn auch nur für einen Tag. Schade, dass du keinen Ausflug gemacht hast, aber nichts hindert dich daran, später wiederzukommen.
    Wunderschöne Fotos!
    Liebe Grüße und schönes Wochenende,
    Claudia

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    1. So gesehen war es genau das, was ich wollte :-) Ohne Auto. Nur mit Büchern und ganz viel Ruhe. Und ich schätze, ich komme nochmal wieder. Das von Maren angesprochen Wandern reizt mich nämlich sehr.

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  5. Sieht toll aus: Gran Canaria. Ich war mal auf Lanzarote. Hat mich aber nicht soo überzeugt. Allerdings haben wir dort tatsächlich viel angeschaut. Interessant war das schon.
    Also nur liegen und essen, das wäre jetzt nicht wirklich meins. Aber zum Glück gibts ja für jeden Geschmack das richtige.
    Wenn Du Dich erholt hast, perfekt. Erfahrungen gesammelt. Auch gut. Müssen ja nicht immer die besten sein. Meinungen bestätigt. Auch OK.
    BG Sunny

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    1. Bei Liegen und Essen wäre ich wohl auch aufgequollen wie ein Hefekloß. Und ja, erholt habe ich mich. Sehr.

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  6. Ich hatt es mir ja schon gedacht, bei den tollen Dünen-Monochrom-Fotos! Ich war schon dreimal auf Gran Canaria, und bis auf das letzte Mal (als ich in der Pauschal-Hölle im Süden weilte, aber selbst gar keine Pauschalreise gebucht hatte) fand ich's gar nicht schlecht. Es gibt auch Ausweichmöglichkeiten und man kann sogar super wandern. Teneriffa soll noch schöner sein, und da kann man vor dem Massentourismus ein wenig ausweichen. Ich hab gar nix gegen Touristen, bin ja selbst einer, aber diese "Hardcore"-selbst-fast-Spanier-Mineralwasser-Menschen gehen mir voll auf den Keks. Die Kanaren haben halt einen unschlagbaren Vorteil. Frühling das ganze Jahr! Dein Hotel und Umgebung sieht doch klasse aus, das ich nicht selbstverständlich, es gibt so hässliche Betonburgen...
    Liebe Grüße Maren

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    1. Wandern - dazu hätte ich auch Lust. Nur nicht bei gefühlten 37 Grad. Also muss ich wohl in einer anderen Jahreszeit zurückkommen.
      Das Laben "Tourist" ist ja mal nix Schlimmes. Mir geht es mehr auf die Nerven, wenn der hippe Teil der Weltbevölkerung kein anderes Ziel kennt als für einen Local gehalten zu werden und mit der unglaublich authentischen AirBNB-Bude den wahren Locals das Wohnen unendlich verteuert... Da lob ich mir doch eher ein solides Hotel, mit dem ich als Tourist Geld und die Wirtschaft spüle.
      Das Hotel war übrigens auch keine architektonische Schönheit, echt nicht. Aber immerhin war ein riesiger Palmengarten drumherum. Da gab es definitiv schlimmere Exemplare.

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