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Barfuß statt Daunenjacke



Dass das Wetter Anfang Oktober, wenn das große Kind Geburtstag hat, regelmäßig noch einen T-Shirt-Tag bereithält, ist normal. Doch normalerweise ist spätestens Ende Oktober, wenn das kleine Kind Geburtstag feiert, eher eine Daunenjacke angesagt. Dass ich in diesem Jahr am letzten Oktobertag barfuß zehn Kilometer am Ostseestrand entlang wandern würde, hätte ich also eher nicht gedacht.


Eigentlich war der nächste Kurztrip an die Ostsee auch erst für November geplant und gebucht. Bis das Kind auf die Idee kam, eine rauschende Geburtstagsparty zu feiern. Selbstredend ohne Beteiligung des Muttertieres ;-) Also habe ich kurzerhand die Buchung für das kommende Wochenende storniert und nach einem netten Ziel für das ohnehin längere Wochenende gesucht.


Das war nicht ganz einfach, denn aus unerfindlichen Gründen hatten wohl viele Menschen sich überlegt, dass das lange Wochenende ein hervorragender Termin für einen Ostsee-Kurztrip ist. Das Ziel sollte Binz sein. Warum? Weil es eine direkte ICE-Verbindung von Hamburg nach Binz gibt. Und nach den letzten Erfahrungen mit der Deutschen Bahn war es mir einfach lieber, jegliches Umsteigen zu vermeiden - man kann ja nie wissen, ob man tatsächlich am gleichen Tag ankommt. Und das wäre für einen Kurztrip an die Ostsee irgendwie blöd gewesen - bei zwei Tagen Hin- und zwei Tagen Rückreise wäre kein Tag Urlaub mehr drin gewesen.


Außerdem war ich zwar schon einige Male auf Rügen, aber noch nie in Binz. Die Entscheidung war übrigens goldrichtig: Binz ist wirklich hübsch, zumindest die „Altstadt“ mit den Dutzenden alten Villen in traditioneller Bäderarchitektur. Abgesehen davon lag direkt vor dem Hotel ein kilometerlanger, wirklich schöner Strand für ausgiebige Spaziergänge - und die liebe ich.


Irgendwie schräg allerdings blieb die Wetterprognose. Viel Sonne, wenig Wolken und Temperaturen um 18 Grad. Ich musste mich wirklich überwinden, um keine Winterjacke einzupacken. Aber ich hab es geschafft. Ein Pullover und eine Weste mussten reichen und sie haben definitiv gereicht - ich habe beide nicht getragen.


Stattdessen eine Lederhose, ein langes Hemd und einen Pullunder. Und Turnschuhe - auf der Schulter. Es war nämlich so warm, dass ich schon nach wenigen Metern am Strand die Schuhe einfach ausziehen musste, um durchs Wasser zu gehen. Das war zwar mit 13 Grad nicht wirklich warm, aber absolut erträglich. Vorsichtshalber habe ich die Weste (ich habe nach der Entführung meiner Weste durch das Kind tatsächlich noch ein zweites Modell in schwarz in meinem eigenen Kleiderschrank gefunden…) in die Tasche gesteckt. Und da blieb sie auch. Besser war das, denn mir war selbst im Pullunder noch grenzwertig warm. Da kam die Ostsee an den Füßen genau richtig.









Und ich sage euch, ich war wirklich stolz auf mich ;-) Die anderen Strandspaziergänger, die mich und meine Schuhe in der Hand morgens noch argwöhnisch gemustert hatten, schleppten ab Mittag ihre Mäntel, Schals und Mützen in den Händen statt am Körper.


Ich habe kürzlich gehört, dass es verdammt schwierig ist, das, was man bereits in der Kindheit gelernt hat, nämlich dass Ende Oktober Zeit für eine Winterjacke ist, loszuwerden und stattdessen ohne Jacke loszuziehen. Das widerspricht halt dem, was man gelernt und tief in sich verankert hat. Und ganz ehrlich: Für einen Sonntagsspaziergang an der Alster kann ich das ganz hervorragend, aber für vier Tage Ostsee die Jacke zuhause zu lassen, fühlte sich auch für mich sehr merkwürdig an. Aber letzendlich war es genau richtig und Ende Oktober barfuß durch die Ostsee zu stapfen ist toll!


Liebe Grüße

Fran

Kommentare

  1. Hallo,
    jedes Mal wenn ich Deutsche Bundesbahn höre stehen mir die Haare zu Berge. Seit 1994 gibt es keine Deutsche Bundesbahn mehr sondern es heißt ganz einfach Deutsche Bahn. Zudem fahren auf vielen Strecken private Verkehrsunternehmen.
    Gruß
    Hannelore
    Gruß
    Hannelore

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    1. Ups, du hast natürlich Recht. Ich korrigiere das. Die genannte Strecke wird übrigens von der Deutschen Bahn bedient. Genauso wie die etwas nervige Fahrt im September von Hamburg nach Berlin und zurück. Und mal ehrlich: Man sagt uns Deutschen ja gern einen zwanghaften Hang zur Pünktlichkeit nach. Bei der Bahn ist davon nix mehr übrig. Da heißt es eher: Kann sein, dass der Zug kommt. Und kann auch sein, dass er fährt. Aber wann, das ist ungewiss...

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  2. Freiwillig Bahnfahren? Schwer vorstellbar.

    Der Strand von Binz ist wirklich schön. Der Sand dort ist besonders weich. Das letzte Mal war die Ostsee gefroren, als ich dort war.

    Einen Blick nach draußen finde ich wichtiger als einen Blick auf den Kalender bei der Wetterwahl.

    Der Stau nach Timmendorf begann am Sonntag mittags fast auf der Autobahnabfahrt. Der frühe Vogel winkte auf der Rückfahrt daran vorbei.

    Füße in Wasser sind immer eine gute Idee.

    Viele Grüße
    Ines

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    1. Ich wollte das Bahnfahren einfach mal ausprobieren. Denn im Prinzip ist es ja praktisch, sich einfach nur in einen Zug zu setzen.Aber so richtig funktioniert das Prinzip Bahn nicht mehr, scheint mir.
      Wenn ich nach Travemünde fahre, tu ich das in der Regel auch frühmorgens und verabschiede mich gegen Mittag. Ist einfach weniger stau-intensiv und wesentlich entspannter, wenn der Strand morgens noch leer ist.

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  3. Ich frag Alexa wie das Wetter heute wird und danach wähle ich meine Kleidung. Der Kalender ist mir dabei egal. Das klappt super. Ich schleppe aber auch nicht gern unnötig Jacken mit mir rum. Da geht es mir wie Dir. Ich finde es super dass Du das lange Wochenende genutzt hast um an der Ostsee zu spazieren.😁
    Der Pullunder war eine gute Idee, da kommt noch Luft an die Arme. allerdings kann man ihn, wegen der fehlenden Arme nicht einfach umschlingen, wenn man ihn ausziehen will.
    Liebe Grüße Tina

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    1. Hihi, hier wohnte auch mal eine Alexa. Die ist inzwischen verkauft, ich wurde nicht warm mit ihr. Siri versteht mich übrigens auch nicht... Die knackt immer noch an einer Frage von gestern rum.
      Und stimmt, die fehlenden Ärmel sorgen dafür, dass man eine Tasche braucht, wenn man ihn ausziehen will. Was irgendwie auch doof ist.

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  4. Erstmal: Cooler Look! Auch ohne Schuhe oder vielleicht auch gerade deshalb. Die Bluse würde ich dir vielleicht nicht zurückgeben, wenn ich dein Hotelzimmer inspiziere ;). Aber das ist natürlich dann kein Diebstahl, sondern eine erzieherische Maßnahme.

    Ich freue mich mit dir, dass du ein Party-Wochenende der besonderen Art genießen konntest. Füße im Meer, hachz.
    Ich war tatsächlich noch nie auf Rügen, aber es juckt mich.

    Und eine Jacke habe ich vorsichtshalber um diese Zeit dabei, denn meine Wetterapp entscheidet gern mal neu.

    Liebe Grüße
    Nicole

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    1. Immerhin ist die Wetter-App verlässlicher als die Bahn ;-) Und ich habe es diesmal so gemacht wie du: Koffer vor die Tür und alles noch einmal inspiziert. Und ich hab nix vergessen!

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  5. Ja, das glaube ich.
    Ich bin da eher für "extremes" Wetter. Also "richtig Winter" oder "richtig Sommer". Da weiß ich, was ich brauche, oder eben nicht brauche. Diese Wischi-Waschi-Wetter machen mich ganz verrückt. Auf alles zwischen 14 und 24 Grad kann ich verzichten, denn ich bin gefühlt immer falsch angezogen. Ich friere, schwitze oder werde nass.
    Lässiges Outfit übrigens.
    BG Sunny

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    1. Richtiger Sommer wäre mir auch lieber - richtiger Winter kann mir dagegen gestohlen bleiben. Aber so ein schöner Herbst, ehe es richtig grau und usselig wird, ist gar nicht zu verachten, finde ich.

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  6. Deinen Strandlook mag ich. Vermutlich hätte ich erstmal eine Jacke mitgenommen. Nur so - für alle Fälle. Und dann hätte ich sich auf dem Arm mit mir herumgeschleppt anstatt sie zu tragen. Das steckt wohl so drin Ende Oktober. Auf Rügen war ich tatsächlich noch nie. Nur auf der Nachbarinsel Usedom. Die ist aber auch schön. Eine Zugverbindung direkt nach Binz finde ich äußerst praktisch. Auch wenn es manchmal nervt. Ich bin pro Bahn. Meine letzte Fahrt von Kiel nach Hamburg und zurück verlief direkt mal ohne Vorkommnisse. Abenteuerlich ist es immer wieder.

    Liebe Grüße
    Sabine

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    1. Ich hab das volle Risiko gewählt - ohne Jacke ;-) War aber zugegebenermaßen das erste Mal. Und ich fand mich sehr, sehr mutig. Nach Usedom möchte ich auch gern mal. Das wird nur mit der Bahn wohl komplizierter.

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  7. Leider ist es schon eine Weile her, dass ich sandige Füße am Strand hatte, ich freue mich für dich! Ganz tolle Fotos! :))
    Binz kenne ich nicht, obwohl ich die Insel Rügen schon vor längerer Zeit besucht habe, danke für den tollen Tipp!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Binz kannte ich bisher auch nicht. Bin mal mit dem Auto vorbeigefahren, aber das wars dann auch schon. Und wenn ich nicht zufällig gesehen hätte, dass der ICE da direkt hinfährt, wäre ich da wohl auch nie gelandet.

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