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Wie war das gleich noch mit der Fairness? Oder: Punkte in Barcelona

 

Das habe ich mich vor ein paar Wochen gefragt, als „mein“ Basketballteam, die Hamburg Towers (ja, auch ich kann ein Fangirl sein) in den Play-Offs um den Aufstieg in die erste Bundesliga gegen das Team aus Chemnitz spielte. Play-Offs heißt, dass die beiden Teams eine Serie von maximal fünf Spielen gegeneinander spielen. Wer drei der Spiele gewonnen hat, geht als Sieger aus der Serie hervor. Bei einem der Spiele in Hamburg waren natürlich auch Fans von Chemnitz mitgefahren, um ihre Mannschaft anzufeuern. Hut ab vor allem, die eine so lange Fahrt für ihr Team in Kauf nehmen. Find ich gut.

Was dann kam, als ihre Mannschaft zurücklag, fand ich nicht mehr gut. Standard ist, dass man „seine“ Mannschaft anfeuert. Laut. Konnte man schon in der einen oder anderen Instagram-Story bei mir hören. Sorry, wenn jemand angesichts der Lautstärke vom Stuhl gefallen ist. Ich habe das Stummschalt-Icon leider erst kürzlich entdeckt ;-) Die Chemnitz-Fans allerdings haben sich nicht damit begnügt, ihr Team anzufeuern, sondern fingen an, die Hamburger Spieler auszubuhen, auszupfeifen und verbal und mit Gesten zu attackieren. Das kannte ich von keinem Spiel der Saison in diesem Maße. Es gibt immer ein paar Trottel, die sich nicht benehmen können. Aber in dem Ausmaß fand ich das höchst befremdlich. Was das mit sportlicher Fairness zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Dummerweise haben die Hamburger die Serie gewonnen und sind damit in die 1. Bundesliga aufgestiegen :-) Die Hamburger Fans haben sich tierisch gefreut, aber es wäre ihnen nicht eingefallen, die Chemnitzer Spieler auszupfeifen.

Bis zum letzten Montag dachte ich ja, dass das eben unerzogene Trottel waren, denen ihre Erziehung abhanden gekommen war. Bis, ja bis ich die Fangirls unseres amtierenden Bürgermeisters erlebte. Der befand sich im Wahlkampf-Entspurt und nahm an einer Podiumsdiskussion teil, bei der er auf seine Konkurrentin traf. Und ich durfte die Diskussion moderieren :-) Das war eine Premiere für mich und daher war ich erstmal ein wenig unsicher, wie ich mit den Fangirls umgehen sollte.

Auf der Ankündigung zur Diskussion stand gut leserlich die Einlasszeit. Die ersten Fangirls kamen bereits rund 45 Minuten früher, enterten ohne zu fragen den Saal und fingen an, unangenehm zu werden. Die erste Reihe vor der Bühne waren nämlich für die „Entourage“ der beiden Kandidaten reserviert. Das fanden die Fangirls absolut daneben. SIE wollten da sitzen. Als sie anfingen, die „Reserviert“-Schilder abzupflücken, habe ich sie höflich darauf hingewiesen, dass die Plätze reserviert sind. Dann wurde ich angeherrscht, ob es denn keinen Getränkeverkauf gebe. Nein, den gab es nicht. Wir haben die Veranstaltung innerhalb von zwei Wochen mit sehr wenigen Leuten organisiert. Ein Getränkeverkauf war hinten rüber gefallen, weil wir dafür einfach nicht die nötige Manpower hatten. Und wir hatten fälschlicherweise gedacht, dass man 90 Minuten ohne ein Getränk überleben kann.

Als ich an den Tischen im Podium Wasserflaschen und Gläser verteilte, wurde ich wieder angeherrscht. Das seien doch Getränke. Die könne ich ihnen doch zur Verfügung stellen. Nö, erwiderte ich. Das seien die Getränke für die Podiumsgäste, die gleich 90 Minuten lang im Scheinwerferlicht reden müssen. Die Fangirls waren konsterniert.

Im Laufe der Diskussion, als klar war, dass die Gegenkandidatin, die man für völlig chancenlos gegenüber dem brillianten Herrn amtierenden Bürgermeister gehalten hatte, eine ganze Reihe von guten Punkten machte, mutierte die Fangirl-Meute dann endgültig zu Chemnitz-Fans im Geiste. Die Gegenkandidatin wurde von ihnen bei ihren Redebeiträgen laut ausgelacht und verbal attackiert. Ich habe mit ein paar sehr deutlichen Worten eingegriffen. Was mir übel böse Leserbriefe aus den Fangirl-Reihen eingebracht hat. Aber sei es drum, damit kann ich hervorragend leben.

Tja, und nun die Überraschung: Die Fangirls waren nicht etwa 18 und nen Keks alt, antiautoritär erzogen und hatten eine miese Kindheit. Nö. Das waren die Damen aus dem Vorstand der Seniorenorganisation der Partei, der der Bürgermeister angehört. Die komplette Kleinstadt-Honoratiorenschaft halt. Wenn ich nicht ohnehin gestanden hätte, wäre ich wohl vom Stuhl gefallen angesichts eines solchen Benehmens. Ich meine: Das jüngste Fangirl war vermutlich um die 70, über das Alter der ältesten Dame der Gruppe breiten wir lieber mal den Mantel des Schweigens… 

Fairness kennen die, genauso wie die Chemnitzer Basketballfans, wohl nur aus dem Duden. Und ja, das hat mich erstmal ziemlich umgehauen. Wie kann man sich, wenn man sich doch als die Haute Volée der Stadt bezeichnet, SO benehmen? Gehts noch? Vermutlich sind das die gleichen Damen, die sonntags im Café auf die böse Jugend von heute schimpfen, die fürs Klima streikt anstatt zur Schule zu gehen.

Joa, und wie schaffe ich jetzt den Sprung zum Outfit? Ha, ich weiß es! Die Fotos sind am olympischen Hafen in Barcelona entstanden. Und zumindest bei den olympischen Spielen glaube ich noch an Fairness. Naja, wenn man vielleicht Doping-lastige Sportarten ausnimmt… Aber beim Bogenschießen, da geht es garantiert noch fair zu! Ansonsten gibt es zum Outift nicht viel zu erzählen - das Kleid, das gar kein Kleid ist, sondern ein Zweiteiler, kennt ihr ja schon. Aber ich mag es sehr und deshalb müsst ihr das wohl noch öfter in der einen oder anderen Form ertragen :-) Die Statue, die im Park der Freiwilligen steht, mag ich sehr. Genauso wie all die anderen Skulpturen, denen man in Barcelona begegnet. Das mit der Kunst im Alltag, das können die nämlich ganz wunderbar, die Katalanen.





Liebe Grüße
Fran


Kommentare

  1. Was soll ich sagen? Erinnert mich an eine Truppe E Biker, die zuletzt meinen Weg kreuzte. Mit Spiegel und eingebauter Vorfahrt. Mit Vollgas durch die 20er Zone unter Mißachtung der Vorfahrt anderer und dabei dann die Autofahrer beschimpfen. Ich konnte die Herrschaften zwar nicht verstehen, denn ich war das Auto Nr. 3, aber die Gesten waren unmißverständlich. Erlebte ich nicht zum ersten Mal. Und hier gibt es eine Dame, die im Supermarkt schon mal Gas gibt. Scheinbar eine ehemalige Lehrerin. Auch dem Anrecht auf „Ich habe Recht und darf gerne Mal im Weg stehen....“. Und dabei auf die heutige Schülergeneration schimpfen. Schön ist anders. Aber dafür ist dein Outfit chic.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  2. Was ist nur aus dem guten Benehmen geworden. Ich hätte mich als Kandidat geschämt und alle rausgeschickt :)
    Diese hohe Erwartungshaltung erlebe ich täglich in der Praxis. " Ich will und das muss...." und bei uns gibts Wasser :)). Bei Sportfans bin ich auch raus und es ist eine Wohltat für unseren Stadtteil dass der SV waldhof nicht mehr in der ersten Liga spielt. Ist schon traurig wenn man das sagen muss. Du kannst Dir vielleicht jetzt vorstellen was an Spieltagen hier los war. Ich weiss novh als ich im TV mal verfolgen musste wie Fans ein Fußballstadion zerlegt haben, ist ewig her, ich weiss nicht mehr wo, aber ich weiss noch wie geschockt ich war.
    So nun aber schönere Dinge.... Dein Kleid ist echt so toll und klar musst Du das oft tragen! Das steht Dir soo gut. Blogger sollen eh nicht immer neue Sachen kaufen! Allerdings stutze ich immer wenn die Kommentare dann mit: " Wie ich ja schon gesagt habe, steht Dir das super" Das wie ich Dir schon gesagt habe..... klingt so nach ochDu zeigst ja schon wieder das Selbe. Ist sicher nicht so gemeint.... hoffe ich. Denn gerade das immer wieder tragen finde ich genial wenn ich Klamotten geksuft habe. Dann hab ich nämlich alles richtig gemacht. Für mich, meinen Geldbeutel und die Umwelt.
    Liebe Grüße Tina

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    1. Ups ... - sooo fasst Du ein "Wie ich ja schon gesagt habe ..." auf?!? ... Solche Worte könnten tatsächlich auch gelegentlich von mir kommen, wären aber definitiv NULL (!!) so gemeint, als wäre mir bei der Kleiderauswahl der Person langweilig, sondern - im Gegenteil - einfach nur, wie sie geschrieben werden: "Ich sagte schon mal, dass es mir gefällt und finde es immer noch." - Einfach nur positiv! - Immer wieder spannend, wie unterschiedlich Menschen Dinge verstehen. - Liebe Grüße an Dich, Gunda

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    2. :) super so kann man das natürlich auch sehen! Klasse dass Du das so erklärt hast Gunda. Ob Du das schon so geschrieben hast weiss ich gar nicht :))
      Liebe Grüße auch an Dich! Tina

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  3. Gut das du das Alter noch gelüftet hast, denn ich dachte tatsächlich, wie kann ein Bürgermeister so junge Fangirls haben. Es ist erschütternd was für ein unfaires Benehmen da an den Tag gelegt wurde, bei beiden Events. Denn das Ausmaß an schlechtem Benehmen übersteigt das, was eigentlich interessant gewesen wäre. Es sieht so aus, als möchten sich manche Leute mit Unfairness in den Mittelpunkt katapultieren. Ungut, auch für andere Anwesende.

    Dein Kleid ist toll und die Fotos wunderbar fröhlich <3
    Viele liebe Grüße <3

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  4. Das sind genau solche "Damen", die sich an einem bestimmten Tag in der Sauna breit machen und "ihre" Plätze beanspruchen. Da hat dann bitte jeder Andere Platz zu machen. Nee, muss man nicht haben.

    Dein Kleid macht sich gut im olympischen Hafen in Barcelona.

    Liebe Grüße Sabine

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  5. Erinnere mich nich an den südöstlichen Teil Neufünflands. Die haben mich schon bei der Auswertung der Europawahl geschockt. Aber klar. Seltsam sozialisierte Menschen gibts immer und überall .Bei uns gibt es Talarmotten und auch sehr engsichtige Damen beim Frauenbund. BG Sunny

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  6. Tut mir leid, aber ich muss mich immer an das Kleid aus Pretty Woman mit Julia Roberts mit dem berühmten Polka Dots erinnern! ;) Ich liebe diesen wunderschönen Braunton!
    Das sieht einfach toll aus! Ich denke, dass der Bruch zwischen sportlichen Sneakers mit eleganten Kleidern kann richtig spannend sein.
    Ganz liebe Grüße,
    Claudia

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